Spaziergang nach Santiago de Compostela Woche 8

26.9.22 Montag Livinhac – Figeac 24,3 km

Es ist Montag, der Tag, an dem in Frankreich viele Geschäfte geschlossen haben. Dafür ist oft Sonntags offen. So richtig was zu berichten gibt es heute eigentlich nicht. Laufen, essen, schlafen, nächsten Tag planen wie immer. Ich bin immer noch nicht zu 100% fit, irgendwie fehlt mir die Kraft. Da stehen wohl erstmal kürzere Etappen an.

Figeac ist ein kleines Städtchen mit einer riesigen Kirche und ein paar Läden. So konnte ich neue Fußcreme kaufen, die heißt hier Nok. Hoffentlich taugt die was. Dann habe ich mich mit Lebensmitteln eingedeckt, Salami, Käse, Baguette, Salat und eine Tafel Schokolade mit Fleur de Sel sind im Einkaufswagen gelandet. Das sollte mir die Energie zurückbringen.

Mein Hotelzimmer ist recht neu und schön, nur ist es hellhörig wie immer. Das bekommen die Franzosen nicht in den Griff. Aber wenn die Nachbarn nachts Ruhe geben, ist es in Ordnung.

kaputter Pilgerwagen
Der Fluss Célé
Kirche in Figeac
Marktplatz in Figeac

27.9.22 Dienstag Figeac – Cajarc 30,9 km

Mein frommer Wunsch, der Fernseher im Nachbarzimmer würde vor Mitternacht ausgehen, erfüllte sich leider nicht. Erst 0:30 war Ruhe und ich konnte endlich schlafen. Dafür war das Frühstück gut und ich konnte gegen 8:00 Uhr gestärkt auf die Piste.

Hab noch ein wenig von Figeac mitbekommen, am Nachmittag hatte ich ja nur einen Teil gesehen. Die Stadt ist auf jeden Fall sehenswert. In Faycelles habe ich mich verlaufen, ich konnte die rot weiße Markierung des GR65 nicht finden. So bin ich die alte Route nach GPS an der Straße lang gelaufen. Man konnte die alten Markierungen noch gut erkennen und der Weg muss auch etwas kürzer sein.

In Cajarc ging es über einen Trampelpfad als Abkürzung in die Herberge, welche über 6 Betten verfügt, von denen 3 belegt sind. Mein Bettnachbar schnarcht, er hat eben eine Kostprobe abgegeben. Also schon mal Ohrstöpsel bereit legen. Essen gibt es ab halb acht, da gehe ich vorher in die Stadt.

Brücke in Figeac
die alte Markierung des GR65
solche Hütten gibt es hier oft
Der Stacheldraht wurde durch Trockenmauern ersetzt
Freilandschwein
Kunst am Bau
Höhle
Cajarc

28.9.22 Mittwoch Cajarc – Limogne en Quercy 19,8 km

Ab heute weiß ich, was Schlafapnoe bedeutet. Mein Bettnachbar hat extrem geschnarcht und hatte dabei oft Atemaussetzer. Er will heute aber nur 12 km gehen, weil er sich nicht fit fühlt. So kann er mir heute in der Gite nicht begegnen.

Es war für den ganzen Tag Regen vorhergesagt, daher habe ich mich für eine kurze Etappe entschieden. Bei starkem Regen stelle ich mich lieber für eine halbe Stunde unter, als weiter zu laufen. So wird man nicht ganz so nass. Die Blasen vom Schwarzwald waren mir eine Lehre. Ganz durchgeregnet hat es nicht, zwischendurch kam sogar mal kurz die Sonne raus. Das gab das schöne Spiel Regenjacke an, Regenjacke aus, Regenjacke wieder an usw.

Die Herberge hier ist sehr schön, es gibt Zweibettzimmer. Im Nachbarbett liegt ein Schwede, der den Weg in Etappen geht, und vor 11 Jahren angefangen hat. Hoffentlich wird es eine ruhige Nacht.

Halbzeit
die Lot
Regenwetter
sind das Krokusse?

29.9.22 Donnerstag Limogne en Quercy – Poudally 23,4 km

Wie lange kommt ein Pilger ohne Schlaf aus? Der Schwede hat geschnarcht, das habe ich noch nicht erlebt. Ohrstöpsel haben nichts geholfen. Meine zweite Nacht ohne Schlaf.

Es hat den ganzen Tag mit kurzen Pausen geregnet. Der Weg ist schnell erzählt, links und rechts Trockenmauern, Stacheldraht, Trockenmauern und Stacheldraht oder einfach Maschendrahtzaun. Dazwischen ein mehr oder weniger breiter Schotterweg. Ich mache kaum noch Fotos, ist eh momentan jeden Tag das gleiche.

Unterwegs habe ich Rast gemacht, es wurde viel Werbung für einen Rastplatz am Weg gemacht. Der Platz war wirklich schön, ich habe mich hingesetzt, eine Cola aus dem Kühlschrank genommen und zwei Euro in die Kasse geworfen. Dann kam der Hausherr. Erst hat er einen Pilger zur Schnecke gemacht, weil er es wagte, die Toilette mit Schuhen zu betreten, dann musterte er mich, ob ich vielleicht Dreck oder wenigstens ein paar Regentropfen in sein Reich getragen habe. Dies schien nicht der Fall zu sein. Ich wurde streng darauf hingewiesen, wo ich das Donativo für die Cola zu hinterlegen hätte. Puh, schnell weg hier.

Die Herberge in Poudally ist schön. Hoffentlich kommt der Schwede nicht.

30.9.22 Freitag Poudally – Cahors 18 km

Pilgern kann so schön sein. Kein Schnarcher im Zimmer, Sonnenschein, jedoch nicht zu warm, gutes Essen, ein toller Weg, ein schöner Etappenort, ein günstiges Zimmer. So kann es gerne weitergehen.

Leider habe ich Depp meinen kleinen Regenschirm in der Herberge liegen lassen. In Cahors habe ich einen neuen gekauft, der ist aber wesentlich dicker und doppelt so schwer. Schade, aber nicht mehr zu ändern. Zurück laufe ich deswegen nicht. Jetzt soll es sowieso erstmal ein paar Tage trocken bleiben.

Der Weg fing an, wie der gestrige endete, also Wald, Stacheldraht und Trockenmauer. 5 km vor Cahors änderte sich das schlagartig. Alle Begrenzungen waren weg und der Wald wurde lichter. Das war irgendwie befreiend. Es gibt viel Wachholder und einige dürre Eichen.

Heute wird mal wieder in einer Jugendherberge übernachtet. Ich habe da ein Einzelzimmer mit Frühstück für 41 Euro, da gibt es nichts zu meckern. Ruhig scheint es auch zu sein.

Gleich geht es in die Stadt zum Umschauen und zum Abendessen. Cahors ist durchaus sehenswert. Hier scheint kein Krieg irgendetwas zerstört zu haben, es sieht aus wie vor hunderten von Jahren. Winzige Gassen, durch die kein Auto passt prägen die Altstadt. Hier hätte ich einen Ruhetag einlegen sollen, die nächsten Unterkünfte sind aber schon gebucht.

überall Wachholder
Cahors
die Lot
Altstadtgasse
Kirche in Cahors
Brücke

1.10.22 Samstag Cahors – Lascabanes 22,2 km

Heute sollte es eigentlich regnen, hat es aber so gut wie nicht. Hab mich beim Frühstück noch von Marie, der Kanadierin verabschiedet, sie macht in Cahors einen Ruhetag, da sieht man sich vermutlich nicht mehr. Schade.

Auf der Brücke aus der Stadt raus packte eine vermutlich obdachlose Frau gerade ihre Schlafpappe ein. Ich habe ihr 5 Euro für ein Frühstück in die Hand gedrückt. Sie musterte den Schein ausgiebig, vermutlich passiert ihr das nicht so oft.

Dann hieß es Mut und Kraft aufbringen, es ging eine schmale und sehr steile Treppe den Felsen hinauf. Nichts da zum festhalten. Ich war heilfroh, als ich oben war.

Die Zäune sind erstmal weg, das ist gut. Heute war Arbeitseinsatz der französischen Jakobsfreunde. Der Weg wurde gepflegt, sehr gut. Hab mich bei jedem bedankt.

In der Herberge hatte ich reserviert, leider stand mein Name nicht am Brett mit den Reservierungen. Da noch drei Betten frei waren, habe ich meinen Namen einfach dazugeschrieben. Wird schon passen. Auf dem Weg lernt man, nicht alles so tragisch zu nehmen. Hier gibt es Essen und Getränke, eine Kasse des Vertrauens steht daneben. Das scheint zu funktionieren. Nur mit dem Wechselgeld sieht es düster aus. Notfalls muss man dafür Naturalien nehmen.

Blick vom Felsen auf Cahors
Um nicht durch die Pfütze zu müssen, wurde links ein neuer Weg für uns Pilger angelegt.

2.10. Sonntag Lascabanes – Lauzerte 23,7 km

Irgendwie kann ich mich am Nachmittag schon gar nicht mehr vollständig erinnern, was morgens los war. Ich sollte mir Notizen machen. In der Selbstbedienung der Herberge habe ich mir etwas Proviant mitgenommen. Da es kein Wechselgeld gab, habe ich die Artikel so rausgesucht, dass es glatt 5 Euro wurden. Also landeten eine Cola, eine Banane, eine Wasserflasche und zwei Nussriegel im Rucksack.

In Montcuq war Markt, da gab es noch ein Schoko Croissant als Ergänzung. Ich muss unterwegs regelmäßige Esspausen machen, dann läuft es.

Der Weg war wieder gut zu laufen, lediglich kurz vor dem Etappenziel ging es erst sehr steil runter und gleich darauf ebenso steil wieder rauf. Aber man ist mittlerweile ja geübt im Wandern. Die Herberge ist super, ich habe mir für 50 Euro ein Einzelzimmer mit Halbpension gegönnt. Letzte Nacht war wieder Schnarchalarm, da kommt das gerade recht. Die Wäsche wirbelt in der Waschmaschine, das tut auch mal wieder Not. Wenn ich es schon selber rieche, was müssen erst die Anderen denken.

ein neuer Pilgerfreund
Blick auf Lauzerte
Das Ziel kommt langsam näher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert