Spaziergang nach Santiago de Compostela Woche 7

19.9.22 Montag St Alban sur Limagnole – Quatre Chemins 26,6 km

Ich habe mich gestern Abend noch ein bisschen mit dem Wirt unterhalten. Er hatte ein Restaurant mit 5 Angestellten, von denen nach dem Lockdown 4 nicht mehr gekommen sind. Nun hat er vor 4 Monaten die Bar mit der Herberge übernommen und steht ab nächstem Jahr im Führer drin. In der Hochsaison kämen bis zu 300 Wanderer und Pilger am Tag. Ich wünsche ihm alles Gute. Sein Schweinebraten schmeckt übrigens sehr gut.

Morgens war es wieder saukalt, das Zentralmassiv hat eben über 1000 m Höhe. Ich startete also wieder mit 4 Schichten Bekleidung, die bis Mittag auf ein T-Shirt reduziert wurde. Die Umgebung besteht jetzt hauptsächlich aus lichten Nadelwäldern. Man läuft auf überwiegend guten Wegen, rechts und links ist meistens Stacheldraht. Das soll wohl verhindern, dass die Kühe in den Wald abhauen. Jedenfalls kann man sich so kaum verlaufen.

Die Herberge liegt in einem Ort, der aus genau zwei Herbergen besteht. Sonst gibt es hier nichts außer Wald und Weiden. Den Rucksack muss man aus Furcht vor Bettwanzen im Waschraum lassen. Aber sonst ist es ganz schön.

Pilger gucken, wie aufregend
Pilgerkuh

20.9.22 Dienstag Quatre Chemins – St Chely d’Aubrac 33,1 km

Wieder war es arg kalt am Morgen. Ich sah einen Wanderer aus dem Zelt steigen. Der hat bestimmt gefroren. Heute ging es fast den ganzen Tag durch Weiden zwischen den Stacheldrähten entlang. Nach ein paar km tauchte doch tatsächlich am Wegesrand ein Imbiss auf. Sowas muss unterstützt werden, also gab es einen Kaffee und einen Keks als zweites Frühstück.

Das Aubrac hat schon was mystisches. Hier gibt es im Wesentlichen die braunen Aubracrinder, viele Steine, Gras und hin und wieder ein paar Bäume. Die Landschaft ist trotz oder wegen ihrer Kargheit schön. Manche Franzosen steuern sogar extra ihr Wohnmobil hier her und übernachten am Straßenrand.

Ich übernachte heute in einem toll renovierten Nebengebäude eines Hotels. Als ich das Abendessen abbestellte, weil ich bereits in Nasbinals vorzüglich gespeist habe, wurde ich mehrmals darauf hingewiesen, dass ich im Zimmer nichts kochen dürfe. Aus der Bäckerei wurde ich ziemlich harsch rausgeworfen, ich soll doch den Rucksack und die Stöcke draußen lassen. Da frage ich mich, was manche Wanderer und Pilger hier machen, dass man so misstrauisch ist.

einmal über den Weidezaun klettern bitte
Aubracrind, die Hörner sind noch dran.
Imbiss im Aubrac, gleich danach kam noch einer
Kunstausstellung an der Straße
Ein Flüsschen gibt es hier auch.
Pilger am Eingang von St Chely

21.9.22 Mittwoch St Chely – Boralde 20,4 km

Heute Morgen gab es die Erklärung, warum der ganze Ort ausgebucht war. Eine große Gruppe von Turnbeutelpilgern saß im Hotel am Frühstückstisch. Die zu transportierenden Koffer blockierten den Eingang. Damit der Pilgerpass was hermacht, gab es an der Rezeption gleich zwei Stempel, einen vom Restaurant und einen von der Kirche. Ich will das aber nicht verdammen. Wenn ich alt bin buche ich sowas vielleicht auch mal, wer weiß.

Der Weg heute war recht kurz, es ging zur Abwechslung mal wieder durch etwas Wald. Und es ging abwärts ins Tal, wodurch es gleich um einiges wärmer wurde. So blieb genug Zeit, das schöne Städtchen Saint Côme d’Olt zu besichtigen. Hier hat man für Pilger einen wunderbaren Treffpunkt neben der Kirche geschaffen, überdacht und mit kostenlosem WC. Das ist top. Mittag gab es kurz vorher in einem Berggasthof. Mein Essen hieß Farcous, das ist sowas wie Crepes und soll eine hiesige Spezialität sein.

Der letzte Teil des Weges ging unschön an der Straße lang, sonst hätte ich mehrere Kilometer zurücklaufen müssten. Eigentlich hätte ich laut Booking.com erst 18:00 Uhr ins Hotelzimmer gedurft, die Chefin war aber vor Ort und hat mich schon eher reingelassen. Vorher war ich noch kurz im Netto einkaufen. Der sieht genauso aus wie in Deutschland nur das Bier heißt anders.

nicht nur der Pilger hat Durst
schöne Rastmöglichkeit am Weg, Kaffee 1,50 €
Warnschild für Autofahrer, Achtung Pilger auf der Straße
freilebende Kakteen
Saint Côme d’Olt
Pilgertreff

22.9.22 Donnerstag Boralde – Fonteilles 24,3 km

Hab die Nacht endlich mal wieder gut geschlafen und bin erst nach 7:00 Uhr aufgewacht. Das Frühstück war für 8:00 geplant, passte also perfekt. Nach wenigen km ging es durch Espalion, ein hübsches Städtchen am Fluss Lot. Angeblich wären sogar noch Plätze in der Herberge frei gewesen, aber mein Hotel war auch in Ordnung. Alt aber sauber, mehr braucht der Pilger nicht.

Der Weg ging weiter am Fluss, in Estaing gab es einen Kaffee. Hab eine Schweizerin getroffen, es war schön, sich mal wieder auf deutsch unterhalten zu können. Dann ging es heftig bergauf und jetzt bin ich in der Gite neben dem Campingplatz und lasse mir ein Biere blonde aus dem Aubrac schmecken.

Kirche in Espalion
Estaing

23.9.22 Freitag Fonteilles – Conques 28,4 km

Heute Nacht bin ich aufgewacht und habe mir den Himmel angeschaut. Da sind ja richtig viele Sterne. So etwas sieht man daheim aufgrund der Lichtverschmutzung gar nicht mehr. Das war schön anzusehen.

Der Weg führte tendenziell abwärts, besonders das letzte Stück nach Conques hinein war sehr steil und anstrengend. Ansonsten gab es viel Asphalt und natürlich den Stacheldraht rechts und links und schöne Ausblicke in die benachbarten Täler.

Da für morgen starker Regen vorhergesagt war, habe ich einen Ruhetag geplant. Nun soll der Niederschlag deutlich geringer ausfallen, den Ruhetag mache ich trotzdem. Ich denke, das habe ich mir verdient. Nun ist die Kleidung in der Maschine, was sie dringend mal nötig hat. Mit Handwäsche bekommt man den Müffel eben doch nicht richtig raus.

Die Koffer der Turnbeutelpilger warten darauf, abgeholt zu werden
schöner Rastplatz mit Toilette und Spülmöglichkeit
hier ist es trocken
Man kann EU-Mittel auch sinnvoll einsetzen
Um Trinkwasser muss man sich auf der Via Podiensis keine Sorgen machen.
Abstieg nach Conques

24.9.22 Samstag Ruhetag in Conques

Heute bin ich durch das Dorf gelaufen, war im Museum und habe mich mit 4 Damen aus Südafrika unterhalten, die für eine Woche Jakobsweg extra hergeflogen sind. Das hat wohl insgesamt 40 Stunden gedauert und morgen geht es für sie wieder heim.

Conques besteht im Wesentlichen aus einer riesigen, schönen Kirche, mehreren Herbergen, Touristengeschäften und Restaurants. Ein Kloster gehört auch noch zur Kirche.

25.9.22 Sonntag Conques – Livinhac 24,1 km

Der Tag startete mit dichtem Nebel und Nieselregen. Es ging erst steil bergab ins Tal und dann genauso steil wieder rauf. Im Anstieg konnte ich eine Menge Pilger überholen. Mittlerweile bin ich einigermaßen fit.

Ich konnte mich unterwegs mal wieder auf deutsch unterhalten, das war schön. Leider lud das Wetter nicht zur Pause ein, daher hatte ich ein wenig Kreislaufprobleme. Also hieß es irgendwann hinsetzen und essen. Das half.

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