Spaziergang nach Santiago de Compostela Woche 6

12.9.22 Montag St Julian Molin Molette – Clavas ca. 28 km

Entschuldigung, ich habe auf der Uhr nicht rechtzeitig Stop gedrückt, deshalb ist die Entfernungsangabe ungenau. Macht aber nichts, Clavas liegt sowieso abseits vom Weg. Die Herberge in Les Setoux wird seit über einem Jahr renoviert und ist geschlossen, daher der Umweg. Die Herberge hier gehört auch dringend mal renoviert, aber bitte nicht beide gleichzeitig. Sonst gibt es hier nämlich nichts, wirklich gar nichts, nicht mal Handynetz. Naja WLAN geht irgendwie.

Laut Führer sollte die heutige Etappe die schönste des Weges sein. Das kann ich nicht bestätigen. Aber sie war größtenteils gut zu laufen. Ein Teil der Strecke führte über eine stillgelegte Bahntrasse, das war gut. Sogar der Bahnhof steht noch und einen Tunnel sieht man auch. Es ging bergauf, aber meist nur mäßig.

mein neuer Pilgerfreund
Kirche in St Julian Molin Molette
alter Eisenbahntunnel
der ehemalige Bahnhof
in Les Setoux an der Kirche

13.9.22 Dienstag Clavas – Tence 29,6 km

Nach einem eher rudimentären Frühstück hatte ich den Plan, nicht zurück nach Les Setoux zu laufen, sondern eine Abkürzung zum Jakobsweg zu nehmen. Anfangs ging das auch ganz gut bis nach 2 km das Schild Privatgrund, Durchgang erlaubt, Achtung Hund (natürlich auf französisch) auftauchte. Dann kam ein Haus, aus dem es bellte und auf einmal stand da ein ziemlich großes Tier vor mir und knurrte mich an.

Was tun? Zurück laufen und 4 km Umweg in Kauf nehmen? Nö, erstmal verhandeln. Ich blieb stehen und erklärte dem Hund, das ich da durch dürfe. Hat nichts genützt. Während ich überlegte, ob der Hund vielleicht meinen Pilgerpass als Passierschein sehen will, trat Frauchen aus dem Haus und pfiff den Wachposten zurück. Puh, das ging nochmal gut.

Heute gab es generell viele Hunde, von sehr aggressiv bis total lieb war alles dabei. Zwei kamen auf mich zugelaufen und wollten einfach nur geknuddelt werden, was ich auch gemacht habe. Die freilaufenden Hunde sind eher lieb, die eingesperrten und angeketteten eher aggressiv.

Die Strecke war anspruchsvoll, es gab ein auf und ab, etwas Geröll, welches vom Pilgerführer verniedlichend als Schotter beschrieben wird und einen ersten Blick auf die Vulkankegel der nächsten Etappen.

lost place, vermutlich eine alte Mühle
Ist das Schotter?

14.9.22 Mittwoch Tence – St Julian Chapteul 27,8 km

In der Nacht und heute Morgen hat es geregnet, das war auch nötig. Wozu schleppt man den sonst die Regensachen mit? Der Weg war abwechslungsreich, am schönsten war der Blick von 1300 m ins Velay mit seinen Vulkanen.

Die Herberge hier ist arg heruntergekommen, nur was für den Notfall, wenn man gar nichts anderes findet. Aber das sieht man ihr im Pilgerführer nicht an. Wenigstens gibt es im Ort was zu kaufen. Bei mir gab es Linsen mit Würstchen aus der Mikrowelle.

15.9.22 Donnerstag St Julien Chapteul – Le Puy en Velay 20,6 km

Nachdem ich die Unterkunft nahezu fluchtartig verlassen habe, musste ich feststellen, dass es regnet. Also Regenklamotten auspacken und anziehen. Der Weg war überwiegend gut zu laufen, es gab einiges an Asphalt. Auch an Sitzplätze für die Pausen war endlich gedacht.

Kurz vor Le Puy an der Loire habe ich mich doch tatsächlich trotz GPS verlaufen. Ein dem GR65 ähnlicher Wegweiser ging in eine andere Richtung und da der Weg sowieso gerade vom GPX Track abwich, habe ich das nicht gemerkt. Nach 500 m war mir aber klar, das hier was nicht stimmt und ich lief zurück. Es ging wunderschön an einem Nebenfluss der Loire (la Borne) entlang nach le Puy hinein.

Hier ist gerade Mittelalterfest, nicht so, wie wir das von daheim kennen, sondern richtig groß. Da ging der ganze Nachmittag für die Besichtigung drauf. Für den Stempel in der Kathedrale hat es aber noch gereicht und dem Miam Miam Dodo konnte ich auch noch kaufen. Nur auf die Statue bin ich nicht mehr gekommen.

Mein Pilgerfreund Walter aus Südtirol wird ab hier Gas geben, d.h., ich laufe alleine weiter. Ich habe ihn gebremst, er ist deutlich schneller als ich. Naja, mal sehen, welche Begegnungen nun auf mich warten.

die Loire
Steg über die La Borne
Madonna von Le Puy
Saint Michel
willkommen im Mittelalter
Jakobus in der Kathedrale von Le Puy

16.9.22 Freitag Le Puy – St Privat d’Allier 23,0 km

Die Via Podiensis ist erreicht und das merkt man auch. Die Wege sind deutlich besser und es wird unterwegs viel mehr Werbung für die Herbergen gemacht. Leider auch für geschlossene Herbergen. Was solls, heute gönne ich mir mal ein Hotelzimmer für mich ganz alleine. Das Hotel wurde auf Booking.com ziemlich verrissen, was ich nicht bestätigen kann. Mein Zimmer ist kürzlich modernisiert worden und ist top.

Der Weg war überwiegend sehr gut zu laufen, ich hätte sicher noch ein paar km dranhängen können. Einzig der steile Abstieg am Schluss war etwas kräftezehrend. Aber so ist es auch gut, mehr Zeit zur Regeneration. Sitzmöglichkeiten gab es unterwegs reichlich und Toiletten auch.

Dieser winzige Ort hat doch tatsächlich 7 Herbergen und einen Campingplatz. Viele Pilger wählen ihn vermutlich als erstes Etappenziel.

Es sind viele Franzosen unterwegs. Für die ist die Via Podiensis der Jakobsweg schlechthin. Leider sprechen viele keine Fremdsprache, man kann sich also nicht unterhalten. Mein Französisch ist noch sehr rudimentär. Schade.

mittags 12:00 Uhr schon voll?
heute geschlossen, aber viel Werbung am Weg.
St Privat d’Allier

17.9.22 Samstag St Privat d’Allier – La Clauze 28,1 km

Mein Hotelzimmer war besser, als es bei Booking.com beurteilt wurde, es scheint renoviert worden zu sein. Die Dusche war richtig Klasse, so eine will ich auch. Nur war es sehr hellhörig. Man hörte alles, was die Nachbarn machen, also z.B. fernsehen und was man sonst gar nicht wissen will. Mit Ohrstöpseln habe ich trotzdem gut geschlafen.

Nach dem Frühstück für 8 Euro extra ging es auf die Piste. Puh ist das kalt geworden. Na gut, ich bin ja auch auf über 1000 m Höhe. Das soll noch ein paar Tage so bleiben, also die Höhe und die Kälte. Es ist aber trocken. Der Abstieg nach Monistrol war sehr steil und anstrengend, unten gab es zur Belohnung einen Café au lait. Dann ging es wieder rauf aus dem Tal der d’Allier mit tollen Ausblicken und einer Kapelle im Felsen.

In Saugues gab es Mittag und die Möglichkeit, nach einem Schlafplatz zu suchen. Der erste Anruf war gleich ein Treffer, 6 km hinter Saugues hatte die Herberge noch ein Bett für mich frei. Da bin ich jetzt, wir sind zu dritt auf dem Zimmer. Hoffentlich schnarcht niemand.

Die weitere Herbergssuche gestaltete sich aber schwierig, ich hörte entweder einen Anrufbeantworter oder das Wort desole. Der Herbergsvater hat mir dann eine Unterkunft empfohlen, die nicht im Führer steht. Dort ist was frei.

Zum Abendessen gab es Wurst mit Kartoffelgratin. Nicht schlecht, aber es wurde wie so oft an den Gewürzen gespart. Für 29 Euro inkl. Halbpension war es in Ordnung.

keine 1500 km mehr
Tal der d’Allier
la Madeleine
Wurstdieb
Herbergswerbung am Weg
Saugues
Mittag

18.9.22 Sonntag La Clauze – St Alban sur Limagnole 25,5 km

Hatte ich gestern geschrieben, es sei kalt geworden? Es geht noch kälter, heute Morgen waren es auf 1100 m Höhe 2°C. Die Landschaft war mit Rauhreif überzogen und ich mit zwei Jacken. Selbst die Handschuhe kamen zum Einsatz. Nach ca. 20 km beim Abstieg wurde es aber schlagartig wärmer, immerhin 17 Grad.

Kurz vor dem Tagesziel gab es einen wunderschönen Rastplatz mit Getränken aus dem Kühlschrank gegen Spende und ein paar Strandliegen. Bei mir gab es ein Radler und eine halbe Stunde Ruhe.

Die Unterkunft, die mir der Herbergsvater gestern noch empfohlen hat, ist super. Ich habe ein Einzelzimmer mit Halbpension für 39 Euro. Es gibt auch eine Heizung. Was will man mehr?

Es ist kalt.
St. Rochus, auch ein Pilgerheiliger
Da bin ich jetzt.

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