Moselcamino 2017

Unterwegs von Koblenz nach Trier auf ca. 155 km

Eigentlich heißt es, dieser Camino nimmt seinen Lauf von Koblenz nach Trier, aber da wir des Öfteren schon in Koblenz waren, bezogen wir an einem Freitagnachmittag, den 28. Juli 2017 unser Quartier in Stolzenfels im „Hotel Zur Kripp“, was einen wunderbaren Biergarten hat. Aber dazu später.

Da wir noch ein bisschen Zeit bis zum Abendessen hatten, spazierten wir zum nahegelegenen Örtchen Rhens und waren echt angetan von den schnuckeligen alten Gemäuern.

Diese zu erhalten  ist wahrscheinlich nicht ganz einfach und bei dem vielen Hochwasser zum Teil auch nicht ganz billig,

aber sie sind dennoch eine Augenweide und man hält gern davor inne.

Rhens ist wirklich nur ein klitzekleines Örtchen, so dass wir doch recht schnell wieder zurück im „Hotel Zur Kripp“ waren.

Der Biergarten liegt wunderschön am Rheinufer mit Blick auf das gegenüberliegende Lahnstein. Schade nur, dass keine Fährverbindung besteht, sonst hätten wir einen Ausflug noch dahin unternommen.

Das Abendessen im Biergarten war super, nur die Nacht unter dem Dach brauchte ich nicht noch mal, da es einfach zu laut hier ist. Wer Eisenbahnfreak ist, sollte hier wohnen oder nächtigen, denn der hätte wohl seine helle Freude an den vorbeidonnernden Zügen nahe dem Rheinufer. Leider liegt das Hotel genau zwischen Bahnschiene und Rheinufer, so dass an erholsamen Schlaf nicht zu denken war.

 

 

Samstag, 29. Juli 2017 –> Stolzenfels – Alken (ca. 20 km)

Nach einer weniger gut geschlafenen Nacht waren wir froh, dass es schon um 8 Uhr Frühstück gab. Dementsprechend waren wir auch die ersten im Frühstücksraum 🙂

Kurz vor 9 Uhr dann waren wir schon unterwegs und suchten und fanden unsere erste Muschel bei der Bahnunterführung.

Danach ging es ziemlich heftig steil hinauf zum Schloss Stolzenfels, wobei wir so richtig ins Schwitzen kamen.

Da es aber schön durch den Wald ging, konnte uns die Sonne somit wenig anhaben.

 

 

Das Schloss ist sehr imposant und die Anlage besteht aus mehreren Gebäuden.

Eigentlich sollte es hier einen Pilgerstempel geben, aber wir wussten nicht wo, also zogen wir ungestempelt weiter.

Irgendwann teilt der Camino sich, was auch ganz gut an den Muschelsymbolen zu erkennen ist. Wir ließen also den Weg nach Bingen links liegen und tranken in Waldesch erst mal einen Kaffee.

Was oder wen diese Gestalt hier sucht, weiß diese wohl selbst nicht so recht, aber lustig anzusehen ist es allemal.

Kurz vor der Dreifaltigkeitskirche Bleidenberg

hat man einen wundervollen Blick auf die Burg Thurant

und das Moseltal.

An der Wallfahrtskirche selber kann man schön hinunter auf Alken und die Mosel blicken. Leider war das Kirchlein verschlossen, so dass wir auch hier keinen Stempel bekamen.

Der Weg hinab nach Alken

war alles andere als easy, denn nur wer absolut trittsicher ist und über festes Schuhwerk (auch im Sommer bei 35°C) verfügt, sollte diesen Weg entlang des Kreuzweges gehen. Nicht umsonst warnt auch ein kleines Schildchen links des Weges am Beginn des Abstieges! Und hier kamen wir ebenso ins Schwitzen, wie zu Beginn des Tages, wo es hinauf zum Schloss Stolzenfels ging. Aber unten angekommen, ließen wir uns gleich im „Café Becker“ nieder, wo wir sogar einen Stempel für unseren Pilgerpass bekamen.

Nach dieser Stärkung schlugen wir den Weg zu unserer Unterkunft der Familie Christ ein,

wo wir wieder ein Zimmer unterm Dach beziehen konnten. Nach einer erfrischenden Dusche trabten wir nochmal los und erkundeten Alken, was herrlich eingebettet zwischen Mosel und Weinbergen liegt, immer von der Burg Thurant bewacht.

Die Blumengasse macht ihrem Namen alle Ehre,

denn unzählige Geranien zieren hier die Fenstersimse und den Gehweg.

Aber auch sonst hat Alken einiges zu bieten

und man kann gut ein paar Stunden der Entschleunigung

und Entspannung (auch am Moselufer) finden.

Da die Kirche geöffnet hatte, konnten wir einen kurzen Blick hinein werfen und waren gerührt von der schlichten Eleganz. 

Da braucht es nicht mehr und nicht weniger, um in Ruhe und völliger Stille seinen Gedanken nachzuhängen oder gar Zwiesprache mit Gott zu halten.

 

 

Sonntag, 30. Juli 2017 –> Alken – Treis-Karden (ca. 18 km)

Ein herrlicher Weg erwartete uns, als wir wieder gegen neun Uhr starteten.

Dieses kurze Stück an der Mosel entlang war wirklich angenehm zu gehen. Gut, manchmal war es schon eng, aber dennoch angenehm für die Füße, da es kein Asphalt und kein Schotter gab und weder steil hoch noch steil hinunter ging.

Was ich so faszinierend finde und mich deshalb immer wieder frage: Wie betreiben die Winzer hier ihre Weinberge

bei dieser Hanglage?

Da es wieder gut warm war, ließen wir den gut gemeinten Pilgertropfen unberührt

und gönnten uns erst in Lasserg eine Trinkpause. Nachdem es wieder bergauf ging, genossen wir mal einen beinahe wehmütigen Blick zurück,

aber auch nach vorn

und fragten uns dabei immer wieder: Warum sollen wir in die Ferne schweifen (reisen), wenn das Gute sooooo nah liegt?! Ich kann es nicht anders sagen:  Das Moseltal ist wunderschön und immer eine Reise wert!!!

Die Burg Eltz

erreichten wir zur Mittagszeit, wo wir natürlich auch unser Picknick abhielten. Auch wenn Heerscharen von Sonntagsausflüglern mit neidischen Blicken auf unser Picknick an uns vorüberzogen, ließen wir es uns munden und waren echt erstaunt, was hier los war. Aber kein Wunder, schließlich war Sonntag und herrlichstes Sommerwetter lud nicht unbedingt zum Daheimbleiben ein 🙂 Aber was mir doch Rätsel aufgibt: Warum hat man hier in dieses Seitental diese Burg gebaut?

Kein Mensch würde hier eine Burg vermuten; was für einen Sinn und Zweck hat diese gehabt?

Auf dem sich anschließenden Buchsbaumpfad ging es wieder hoch und runter und erinnerte mich stark an die Wutachschlucht.

Von der Schutzhütte auf dem Kompeskopf

hat man wieder einen herrlichen Blick auf einen Teil des wunderschönen Moseltales und ahnt dabei doch nicht, welcher Abstieg einen erwartet. Dieser Abstieg hat es ebenso in sich wie jener nach Alken hinunter. Gut nur, dass die Sonne schien und nicht der Regen fiel, denn bei eben jenem hätte ich da nicht hinunter gewollt. Zu gefährlich!

Schon weit von oben konnten wir unser nächstes Quartier „Alte Weinstube Burg Eltz“ erkennen.

Aber bevor wir da einfielen, fielen wir erst mal ins nächste Café „Gasthaus zur Linde“ ein, wo wir sogar einen Pilgerstempel bekamen.

Danach erst bezogen wir unser Quartier, was aus zwei Doppelzimmern bestand. Die „Alte Weinstube“ ist total urig und wird von einem holländischen Paar liebevoll bewirtschaftet. Dennoch hielt es uns nicht lange auf dem Zimmer und wir trabten erneut los, um das Örtchen kennen zu lernen, was ja eigentlich aus zwei Ortschaften besteht. Erst stapften wir durch Karden,

wo uns nicht nur der heilige Castor (gilt als Missionar des Moselgebietes) begegnete,

sondern noch viele weitere

Schönheiten

dieses Städtchens,

um dann über die Brücke nach Treis zu gelangen. Auch wenn Karden der schönere Teil (bausubstanzlich gesehen) ist, so hat Treis einfach die tollere Uferpromenade.

Also, wer hier Urlaub machen möchte, der beziehe Quartier in Karden und flaniere in Treis auf der anderen Moselseite.

 

 

Montag, 31. Juli 2017 –> Treis-Karden – Bullay (ca. 28 km)

Hurra, es ging nicht gleich bergauf, sondern erst ein Stück an der Mosel entlang, um bei der Wildburgmühle erst in den Wald einzutauchen und dann den Weg nach oben zu finden.

Und hier muss ich mal wieder den Camino loben, denn dieser Weg hat wirklich alles, was das Pilgerherz höher hüpfen lässt. Gut, die Anstiege und steilen Abstiege hätte man sich sparen können, aber unten, permanent an der Mosel entlang wäre sicherlich auch irgendwann langweilig und zudem einige Kilometer länger. Also kommen wir halt mal ins Schwitzen und freuen uns, wenn es dann wieder bergab geht 🙂

Im Kloster Maria Engelport bekamen wir einen Stempel in den Pass, bei dem es heute aber bleiben sollte.

Und wenn ich es nicht wüsste, würde ich nicht denken, dass es sich hierbei um ein Kloster handelt, so bescheiden wie die Gemäuer aussehen. An der Grotte

haben wir noch zwei Lichtlein gezündet und kurz inne gehalten, bevor es erneut nach oben ging.

Der nächste schweißtreibende Anstieg folgte und trieb uns weiter voran nach Beilstein.

Beilstein und die Burg Metternich

kann man schon von weitem und hoch oben erkennen, aber ehe man da hingelangt, muss man einen Abstieg in Kauf nehmen, der scheinbar nie enden soll. Man sieht das Örtchen zwar immer wieder vor sich, aber man kommt ihm nur in Slow Mo näher. Mit anderen Worten: Der Weg da hinunter windet sich wie eine Schlange und man hat das Gefühl, man kommt nie dort an!

Gegen halb eins endlich trafen wir dort ein und lustig finde ich die Tatsache, dass der Camino direkt durchs Klostercafé führt.

Also nahmen wir die Gelegenheit beim Schopf und aßen erst mal ordentlich zu Mittag. Danach verließen wir Beilstein wieder, obwohl ein Förster am Vormittag uns noch ans Herz legte, doch hier zu übernachten, weil es ja so schön und schnuckelig wäre. Ist es auch. Beilstein ist ein wunderbares

Örtchen am Moselufer,

zu Füßen der Burg Metternich, fast so schön wie Rüdesheim mit seiner Drosselgasse.

Aber wir wollten nach Cochem und dafür mussten wir nach Bullay, um dort zwei Nächte zu bleiben. Also Beilstein ade. 

Auch die Burg Metternich ließen wir (in diesem Fall) rechts liegen und nahmen den nächsten Anstieg in Angriff, um mal wieder schön ins Schwitzen zu kommen. Eigentlich hätte hier schon Schluss sein können, aber wir wollten ja unbedingt an diesem Tag noch in Bullay ankommen. Also genossen wir den Weg und die Aussicht von hier und da und dort und pilgerten und pilgerten, fluchten, wenn mal wieder Dreck im Schuh landete, suchten Muscheln im Wald und Wunder oh Wunder kamen viertel vor fünf in unserem Quartier in Bullay an.

Das „Gästehaus Moselinchen“

ist herzallerliebst eingerichtet und hat alles, was das Pilgerherz begehrt, sogar eine Wäscheleine im Garten und Regenschirme, die man ausleihen kann 🙂

 

 

Dienstag, 01. August 2017 –> Cochem

Dank einer  schlauen Wetterapp haben wir zwei Nächte im „Moselinchen“ gebucht, da uns der Wettergott gar nicht hold war. Schon in der vergangenen Nacht schleuderte er seine grellen Blitze, seinen grollenden Donner und Unmengen an Regen zu uns hernieder, dass es nur gut war, dass wir heute keinen Wandertag, sondern eine sightseeingtour vor uns hatten. Das mit dem Wetter kam uns nur gelegen, denn wir wollten sowieso nach Cochem, da es ein wunderhübsches Städtchen ist, leider aber nicht am Camino liegt.

Also warteten wir bei strömenden Regen aufs Schiff und legten bei strömenden Regen ab. Zur besten Mittagszeit langten wir in Cochem an, wo wir uns mit den vom Gästehaus geborgten Regenschirmen gleich unter die Touris mischten. Um nicht ganz durchnässt zu werden, aßen wir erst mal lecker Salat bei einem Mexikaner. Und siehe da, der Regen wurde weniger und auf dem Weg zur Burg hinauf hörte er dann ganz auf, so dass wir uns der Regensachen entledigen konnten. Da die Reichsburg regelrecht dazu einlud,

gönnten wir uns erst einmal eine Führung, die wir nicht bereuten, da es ein wunderschönes,

altehrwürdiges Gemäuer ist.

Es ist eben immer wieder interessant, wie die Menschen früher gelebt (gehaust) haben.

Dadurch, dass die Burg so gut erhalten ist,

kann man sich ein sehr anschauliches Bild vom damaligen Leben machen.

Und naja, der Blick von oben auf die Mosel ist ja auch nicht von der Hand zu weisen!

Aber Cochem hat nicht nur die Burg, sondern noch weitaus mehr nett anzusehende

und gut erhaltene Gemäuer zu bieten,

so dass es wirklich eine Augenweide ist, durch diese Stadt zu flanieren.

Aber auch das schönste sightseeing macht müde und Pflasterlahm, so dass wir uns des Nachmittages in einem Café niederließen, um danach wohlgestärkt die „Heimreise“ mit dem Zug und mit vielen tollen Bildern

von der Stadt Cochem im Kopf anzutreten.

 

 

Mittwoch, 02. August 2017 –> Bullay – Traben-Trarbach (ca. 23 km)

Heute früh sah es nicht so aus, als wolle die Sonne scheinen, denn dicker Nebel waberte übers Moseltal hinweg und hüllte alles in einen undurchsichtigen Schleier.

Aber uns hielt nichts auf und wir starteten unsere heutige Etappe wieder viertel vor neun und ließen das „Moselinchen“ recht schnell hinter uns. Über die Doppelstockbrücke

begaben wir uns hinauf zur Marienburg.

Langsam verzog sich auch der Nebel, so dass wir wieder herrliche Aus- und Weitblicke ins und übers Moseltal genießen konnten.

Bevor es nach Zell auf die andere Moselseite ging, hielten wir kurz am „Engelskapellchen“ inne.

Dieses kleine Kapellchen liegt direkt an der Straße, ist aber herzallerliebst anzuschauen.

Dann ging es über die Brücke nach Zell hinein und ich muss sagen, das das Zell hier ist genauso schön ist wie das Zell am Harmersbach, wo der Kinzigtäler Jacobusweg durchführt.

Ja und was dann folgte, war mal wieder so heftig, dass mir selbst die Kamera beschlug, denn es folgte der Aufstieg auf den Bummkopf.

Der Anstieg war wirklich heftig, aber wir hielten uns wacker, auch wenn es manches Mal recht rutschig durch den gestrigen Gewitterregen war. Aber natürlich hat man wieder eine grandiose Sicht von da oben.

Das ist sozusagen immer die Belohnung für die Strapazen im Vorfeld. Wie ich schon erwähnte, ist dieser Camino sehr, sehr abwechslungsreich und hat wirklich alles zu bieten, was ein Pilger/Wanderherz begehrt.

In Enkirch haben wir lecker Pizza und Pasta genascht und waren froh über diese Kohlenhydrate, die uns den nächsten Anstieg hinauf und raus aus Enkirch halfen. Das war aber auch ein Rauf und Runter heute. Aber dieser SWR4-Lieder-Wander-Mosel-Weg oder so ähnlich, der ein Stück den Camino begleitet, ist wirklich toll zu gehen, weil es hier die schönsten Aussichten zu genießen gibt. In Enkirch haben wir noch überlegt, den Camino zu verlassen und mal an der Mosel unten lang zu laufen, aber die Aussichten vom Camino da oben entschädigten dafür, dass wir uns für eben diesen Höhenweg entschieden haben. Manchmal ist es eben doch besser, den steinigeren Weg zu gehen 🙂

Und was noch hinzukommt: In Starkenburg

gab es einen Pilgerstempel in der offenen Kirche mit der Stummorgel, die hübsch anzusehen ist.

Ich gehe ja gern in Kirchen, aber nur um zu sehen, wie sie von innen aussehen. Und es ist tatsächlich so: Nicht eine gleicht der anderen. Jedes Innenleben einer Kirche hat seinen eigenen Charakter und seinen eigenen Charme.

Ich finde es jedenfalls immer einen bewegenden Moment, in solch ein Gotteshaus einzutreten und die Luft zu atmen, die schon so manch anderer vor mir eingesogen hat.

Jedenfalls sind wir nach einem kurzen Innehalten und der Bestempelung unseres Pilgerpasses weiter gezogen, um den nächsten Pilgerstempel auf der Grevenburg in Empfang zu nehmen. Eigentlich ist es nur eine Ruine, aber ein kleines Wirtschaftsgebäude 

und eine große Mauer erinnern noch an die Stattlichkeit dieser Burg. Der Kaffee in der Burgschänke ließ zu wünschen übrig, aber das Eis war Klasse.

Um zu unserer Pilgerherberge in der alten Lateinschule zu gelangen,

mussten wir wieder hinab steigen

und gegen halb fünf trafen wir dann auch dort ein. Interessant, mal in Deutschland in einer Pilgerherberge zu nächtigen,

aber sie ist liebevoll geführt und  man bekommt (gegen Aufpreis natürlich) Bettzeugs und Handtücher gestellt. Duschgel und Fön hat es sogar auch. Allerdings müssen sich 12 Leute eine Dusche und ein WC teilen. Aber wir waren nur zu viert in dem großen Schlafsaal, so dass es keine Rangeleien wegen der Örtlichkeiten gab.

Viel Lust auf großen Stadtbummel hatten wir heute allerdings nicht mehr, schlenderten dennoch kurz durchs Städtchen, was ähnlich Treis-Karden durch eine Brücke getrennt ist.

Aber bei näherem Hinsehen

findet man auch hier das eine

oder andere Schmuckstück.

Klar, es ist nicht Cochem, aber es liegt auch an der Mosel und hat seinen eigenen Charme.

Irgendwann jedoch ließen wir diesen lauen Sommerabend noch vor der Herberge gemütlich ausklingen.

 

 

Donnerstag, 03. August 2017 –> Traben-Trarbach – Klausen (ca. 25 km)

Es war wie es war: Wir mussten berghoch, um weiter zu kommen. Und es sollte wohl auch so sein, dass uns ein kurzer fieser Schauer beim steilsten Anstieg erwischte. Aber dadurch, dass es im Wald langging, gab es keine Sorge zur Unruhe. So liefen wir halt weiter, ließen die Graacher Schanzen links liegen und begaben uns schnurstracks nach Bernkastel-Kues.

Die Ruine der Burg Landshut

ist weithin sichtbar und es dauert auch nicht lang, da stehst du mitten

in Bernkastel und kannst dich wieder an Fachwerk und wunderbar erhaltenen alten Gemäuer erfreuen.

Also in Bernkastel-Kues könnte ich mir vorstellen, auch mal länger Urlaub zu verbringen.

Es gibt doch wirklich so viele schöne Fleckchen in Deutschland, da muss man tatsächlich nicht um die halbe Welt reisen 🙂

Natürlich mussten wir auch hier wieder auf die andere Moselseite,

und nachdem es bis Lieser an der Mosel entlangging, mussten wir nach Lieser erneut hinauf in luftige Höhen 

mit tollen Aus- und Weitblicken.

Ja, und was soll ich sagen oder wie soll ich meiner Enttäuschung Luft machen, was uns in Monzel erwartete?

Nichts! Keine Kneipe, kein Restaurant und der Laden, den es gab, machte erst um 14 Uhr wieder auf. Wir standen aber halb zwei davor und hatten Hunger! Also bitte, wer Monzel als Etappenziel wählt ist selber schuld!

An der nächsten Schutzhütte dann machten wir ordentlich Rast, denn die Schutzhütte Minheim

war noch einige Kilometer entfernt. Aber von dieser konnte man weit ins Land blicken

und so noch mal auftanken, bevor es langsam bergab nach Klausen ging.

Die Wallfahrtskirche

in Klausen ist schon von weitem gut sichtbar und verbirgt in ihrem Innern

so manch gut erhaltene und schmuck anzusehende Schätze.

Im Kloster

in Klausen kann man angeblich auch nächtigen, aber erstens machte es auf mich einen eher verwahrlosten Eindruck 

und dann hatte ich gleich wieder das Kloster Schöntal vom Pilgerweg Rothenburg o. T.  nach Speyer vor Augen. Also nächtigten wir nicht im Kloster, sondern in der „Eberhardsklause“.

Von außen würdest du nicht vermuten, dass dies hier eine Pilgerherberge ist, denn wenn du reinkommst, stehst du erst mal in einem kleinen Tante-Emma-Laden mit kleinem Café, was auch gut so ist, denn es hat hier weit und breit nichts anderes. Jedenfalls ist die Herberge wirklich sehr nett, ruhig, hell und alles neu hergerichtet und verfügt sogar über Doppelzimmer.

Dieses Klausen

ist eigentlich ein kleines verschlafenes Örtchen, aber immerhin vereinigen sich hier der Eifel- mit dem Moselcamino 

und es kommen jährlich gut hunderttausend Pilger hierher. Wenn hier Wallfahrt ist, muss wohl einiges los sein. Aber davon haben wir nichts mitbekommen. Nur der Mantel der Stille und innigen Andacht hüllte uns ein. Dafür aber spendet uns eine geweihte Kerze der heiligen Maria von Klausen von nun an Licht und Wärme an dunklen Tagen in unserem Wohnzimmer 🙂

 

 

Freitag, 04. August 2017 –> Klausen – Schweich (ca. 26 km)

Nachdem sich also der Eifel- und der Moselcamino in Klausen zu einem Weg vereint haben, gingen wir nun den gemeinsamen oder einzigartigen Weg erst mal bis Schweich weiter.

Die „Eberhardsklause“ haben wir nach einer wohl durchruhten Nacht und einem ordentlichen Frühstück im Hofladen kurz vor neun Uhr verlassen.

Und ich muss es doch immer wieder sagen: Dieser Camino ist einfach wunderbar – so vielseitig an abwechslungsreichen Wegen 

und immer wieder diese herrlichen Aussichten zwischenrein … Also wer diesen Weg ins Leben gerufen hat – herzlichen Dank dafür!

Nachdem wir Klausen verlassen hatten, ging es in den Wald hinein und obwohl eigentlich jeder wissen sollte, wie er sich zu benehmen hat, finde ich diese kleinen Hinweisschilder doch sinnvoll und angebracht,

da es ja offensichtlich genug Menschen gibt, deren Benehmen einfach zu wünschen übrig lässt.

An der Waldkapelle am Hansenberg

hielten wir kurz inne und gedachten so mancher von uns gegangenen Seele.

Auch wenn es keine Fliegenpilze waren, schienen wir wahre Glückspilze zu sein, denn immer wo diese mitunter riesigen Kameraden 

auftauchten, wussten wir, wir waren richtig 🙂

Und dieses Bild bot sich, als wir aus dem Wald traten.

Es war sooooo herrlich und du wolltest einfach nur stehen bleiben und genießen. Aber wie es so ist im Leben, die Uhr tickt ohne Unterlass und wir mussten weiter und genossen nebenbei die Landschaft, die uns der Moselcamino bot.

Hinten rechts kann man ganz gut Klüsserath erkennen

und irgendjemand hat gedacht, wir schicken die Pilger durch Klüsserath durch. Liebe Pilgersleut: Macht es nicht! Es ist ein Umweg von ca. drei Kilometer und so schön ist Klüsserath jetzt auch nicht, dass man diesen Umweg in Kauf nehmen muss. Nachdem wir den Schmu bemerkt hatten, drehten wir um und machten kurz Pause beim „Rudemsmännchen“.

Was es mit diesem Denkmal auf sich hat, könnt ihr oberhalb Klüsseraths in den Weinbergen auf einer Schautafel nachlesen. War eine echt lustige und raffinierte Sache damals gewesen 😉

Jetzt folgte natürlich mal wieder ein Aufstieg auf dem Kreuzweg in die Weinberge. Diesen Kreuzweg fand ich besonders schön, weil die Tafeln hier aus vielen kleinen Mosaiksteinchen bestanden.

Wenn ihr diesen Camino geht, achtet mal auf die Tafeln entlang der vielen Kreuzwege. Es wurden dafür die unterschiedlichsten Materialien verwendet: Holz, Stein, Mosaiken und Bronze. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, jeder Weinberg hat seinen eigenen Kreuzweg. Es ist aber auch ein Kreuz mit dem Kreuz; bei dem Gefälle wundert es mich allerdings auch nicht. Immerhin findest du den steilsten Weinberg mit sage und schreibe 68 % Gefälle hier an der Mosel. Und das will was heißen!

Aber zurück zum Camino und seinen Kapellchen, an denen wir natürlich innehalten mussten.

Man kommt einfach nicht umhin, ein paar Kerzlein zu zünden und so anderer zu gedenken.

Vom Marienkapellchen bis Schweich war es dann nicht mehr arg weit. Auf dem Weg hinab hat man jedoch deutlich gemerkt: Man kommt der Zivilisation schon wieder erheblich näher, bis man plötzlich mittendrin ist.

Im „Weingut Thesen“

bekamen wir über die Touriinfo ein modern und neu eingerichtetes Doppelzimmer, was einem Luxusappartement ähnelte, wenn man es mit anderen Übernachtungen verglich.

 

 

Samstag, 05. August 2017 –> Schweich – Trier (ca. 22 km)

Wieder starteten wir kurz vor neun Uhr und es ging, oh Wunder, diesmal nicht gleich bergauf, sondern auf Asphalt durch den Ort und dann erst gemächlich eine Anhöhe hinauf, wo uns ein Wegweiser darauf hinwies, dass es bis Santiago ja nur noch 2395 Kilometer sein.

Gut, die wollten wir jetzt nicht mehr gehen, aber der Weg führte uns nun gemächlich weiter durch ein Wäldchen, dessen Blätterdach so dicht war, um kaum einen Tropfen des nun einsetzenden Schauers zu uns durchzulassen.

Der Weg war wirklich toll zu gehen und wir konnten so einige Kilometer gut machen und kamen zügig voran. Wenn man so jeden Tag geht, ist man irgendwann zwangsläufig eingelaufen und es würde einem etwas fehlen, wenn es nicht mehr so wäre. Irgendwann landeten wir wieder auf einem Kreuzweg,

dessen Abstieg es wieder mal in sich hatte. Also ich muss es immer wieder betonen: Trittfest sollte man sein und sicheres Schuhwerk ist auf diesem Weg unabdingbar!!!

Nach einer kurzen Bananenpause in Ehrang ging es weiter auf den Galgenberg hinauf bis zur Maria-Hilf-Kapelle,

wo wir richtig Rast machten. So, und damit es nicht bei einem heftigen Abstieg blieb, folgte jetzt der nächste heftige Weg nach unten. Also, Maria hat auch hier geholfen, so dass wir heil nach unten gelangt sind. Maria hilft immer, habe ich gelesen, aber darauf verlassen würde ich mich dennoch nicht.

Kurz nach Biewer fing es wieder an zu regnen, aber nur kurz, so dass wir nicht wirklich nass wurden. Da wir jedoch noch eine Unterkunft in Trier brauchten,

liefen wir den Camino nicht bis zum Schluss (ca. 3 km fehlten noch),

sondern bogen vorher zur Touriinfo ab, um dort zu erfahren, dass im „Hotel Astoria“

noch ein Doppelzimmer für zwei Nächte frei wäre. So kamen wir am frühen Nachmittag im Hotel an und konnten uns dann noch mal zu einem Stadtbummel aufraffen.

Trier

ist ja wirklich eine wunderschöne und, kaum zu glauben, die älteste Stadt Deutschlands.

Gut, so manchem Gemäuer sieht man es an,

anderen wieder nicht.

Aber auch hier wird gebaut, muss gebaut werden, um alles so schön zu erhalten   und aussehen zu lassen.

 

 

Sonntag, 06. August 2017 –> Trier

Unser letzter Tag – und den wollten wir nutzen, um unseren finalen Stempel in den Pilgerpass zu bekommen. Also liefen wir bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke zurück und von dort die letzten Kilometer bis zur Abtei St. Matthias.

Auf dem Moselradweg ging es vorbei am alten Krahn

(einem aus dem 18. Jh. stammenden Zollkran), unter der Römerbrücke hindurch

und dann war es nicht mehr weit bis zur Abtei St. Matthias.

Wir hatten echt Glück und konnten unseren Moselcamino

mit einem Gottesdienst

in eben jener Abtei

beenden. Was für ein Segen!

Auch bekamen wir hier den finalen Stempel und mag auch dieser Weg hier beendet sein –  wir jedoch werden uns noch lange an diesen wunderschönen Moselcamino erinnern.

 

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