Badischer Jakobsweg von Karlsruhe nach Colmar im Juni 2020

Wir pilgern auf dem Jakobsweg …

… und fangen damit natürlich vor der Haustür an. Und genau das geschah am Sonntag, den 21. Juni 2020.

Wir liefen von daheim los und erst einmal zum Startpunkt am Baseler Tor in Karlsruhe-Durlach, was von unserer Haustür etwa 20 min zu Fuß entfernt liegt.

Um viertel vor 10 Uhr war Start und da wir den Weg schon mehrfach einfach so gegangen sind (liegt ja quasi vor der Haustür), kamen wir auch flott voran. Allerdings müssen wir dazu sagen, dass dieser Weg für Auswärtige nicht einfach zu gehen ist, da er schlichtweg zu schlecht ausgeschildert ist. Wie gesagt, wir kennen uns aus, aber wer fremd ist, hätte sich spätestens am Züdhütle das erste Mal verlaufen.

Also wer diesen Weg läuft, für den ist es ratsam, sich den Track vorher auf sein Smartphone zu laden, so wie wir es getan haben. Denn ohne dem, wären wir heute noch nicht angekommen!

Gut, nach dem Zündhütle geht es dann ein Stück durch Wolfartsweier hindurch, dann links eine Straße hinauf, kurz darauf rechts auf eine andere Straße, die dann in den Wald führt. Doch auch hier nagt der Teufel am Detail, denn wer weiß schon, dass es nach dem Freibad (liebevoll Wölfle genannt) unter der Autobahnbrücke wieder über eine kleinere Brücke weiter hinauf in den Wald geht?

Jedenfalls hatten wir an diesem Tag Glück und konnten den Jakobsweg begehen, denn im März dieses Jahres war dieser nämlich wegen Baumfällarbeiten gesperrt gewesen. Wie gesagt, da wir uns hier auskennen, kamen wir zügig voran. Auch an der Hedwigsquelle war es kein Problem (wg. mangelnder Beschilderung), sodass wir nach zwei Stunden schon in Ettlingen waren und unseren ersten und leider auch einzigen Pilgerstempel in der Kirche am Weg holten. Danach steuerten wir direkt auf das „Alb-Café“ zu, in dem wir uns erst einmal etwas Gutes zu Mittag gönnten. Nach einer ausgiebigen Pause ging es dann weiter und da wir uns jetzt auch nicht mehr auskannten, merkten wir recht schnell, dass sich dieser Weg zu einer wahren Muschelsucherei entwickeln sollte. Ich weiß nicht, ob unsere Augen mehr auf dem Smartphone klebten oder auf dem Weg, denn von ordentlichen Beschilderungen waren wir weit entfernt. Da lobe ich mir den Moselcamino. Der ist so wunderbar beschildert, dass du den auch mühelos ohne technisches Gerät gehen kannst.

Die Lochmühle ließen wir viele Gehminuten später rechts liegen und kamen bald schon in Sulzbach an, wo wir unsere Unterkunft in einem Appartement mit dem schönen Namen „Gartenapartement nahe Ettlingen“ bereits vorgebucht hatten. Das Schöne an dem Appartement ist, es liegt nur ca. 5 min vom Jakobsweg entfernt, ist herrlich ruhig und im Sommer angenehm kühl. Das weniger Schöne daran ist, es gibt weit und breit nichts zum Essen und zum Trinken; kein Restaurant, keine Bar, kein Kiosk, kein Tante-Emma-Laden – nichts dergleichen, null, nada, niente! Was wir gefunden haben, war ein Eierautomat, aus dem wir 6 bunte Eier holten, damit wir am nächsten Morgen auf unser Frühstücksei nicht verzichten mussten 😉 (Nachtrag: Es gibt doch das Restaurant Sonneneck, die hatten aber nicht auf.)

Also wer in Sulzbach übernachten möchte, muss sich schon vorher mit Lebensmitteln eindecken, um nicht dort am Hungertuch nagen zu müssen! Nun gut, wir wollen nicht klagen, der Badische Jakobsweg am ersten Tag bietet landschaftlich so Einiges und verläuft doch größtenteils durch den Wald. Tat auch gut, denn es wurde gut warm an diesem Tag.

Das war also an einem sommerlichen Sonntag, den 21. Juni 2020 mit ca. 16 km von Karlsruhe-Durlach nach Sulzbach unser 1. Tag des Jakobswegs bis Santiago de Compostella.

Nach einem wunderbaren Frühstück aus der Tüte und einem bunten Ei vom Vortag aus dem Automaten, verließen wir das Appartement in Sulzbach um kurz vor 9 Uhr und begaben uns auf den Weg Richtung Bad Rotenfels.

Ich weiß nicht, ob es an der miserablen Ausschilderung des Jakobsweges lag oder wir es einfach missdeutet haben, jedenfalls kamen wir nie in Bad Rotenfels an, sondern gleich in Gaggenau. Da es eine ziemlich hügelige Angelegenheit und auch gut warm war, kehrten wir in Gaggenau am frühen Nachmittag erst einmal zu einem kleinen kühlen Snack in der Fußgängerzone ein. Das musste einfach sein, denn wir mussten unseren Unmut über das nicht besuchte Bad Rotenfels erst einmal hinunterspülen. Und während wir so saßen und später dann Gaggenau wieder verließen, mussten wir doch feststellen, dass dieses Städtle auch ganz schnuckelig ist und es doch mehr Übernachtungsmöglichkeiten gibt, als vorher im Internet angezeigt wurde.

Schade, denn hätten wir das vorher gewusst, hätten wir womöglich die ersten beiden Etappen anders geplant, aber so zogen wir weiter durch eine hübsche, hügelige und sehr abwechslungsreiche Landschaft, bis wir gegen 17 Uhr endlich im „Hotel Wolfsschlucht“ in Ebersteinburg eintrafen. Ebersteinburg liegt unweit von Baden-Baden, aber ist eigentlich nur eine Ansammlung von wenigen Häuschen. Da es auch hier nichts weiter als dem Hotel gibt, sind wir nach der Dusche gleich runter ins Hotelrestaurant und haben den sommerlichen Abend bei Speis und Trank schön auf der Terrasse des Hotels ausklingen lassen.

Das Hotel ist zwar schön ruhig gelegen und teilweise auch modernisiert worden, aber der Preis hat beinahe schon am zweiten Tag unserer Reise unser Pilgerbudget gesprengt.

Das war also unsere zweite Etappe an einem Montag, den 22. Juni 2020 mit ca. 26 km von Sulzbach nach Ebersteinburg.

Da es heute eine kürzere Etappe werden sollte, ließen wir uns Zeit mit dem Aufstehen und dem Frühstück, welches wir übrigens (auf Grund von Corona) an den Tisch serviert bekamen. Man merkt schon den Unterschied von Büfett und einem Service am Tisch, denn wir waren die einzigen Gäste im Raum und das Frühstücksei war einfach perfekt. So wie ein Frühstücksei eben sein soll 

Mit einem Stempel vom Hotel im Pilgerpass zogen wir weiter und kamen gleich in ein kleines Wäldchen auf der linken Seite, was auch gut so war, denn es war schon am frühen Morgen gut warm. Nach ca. 4,5 km ging es auf der Lichtentaler Allee nach Baden-Baden hinein. Das war mal wieder ein Highlight. Und Baden-Baden an sich ist ja auch schon mal was, oder? Also wenn man kann, sollte man hier auch übernachten, denn dieses Flair gibt es nicht überall und jeden Tag zu spüren und zu genießen. Wir jedenfalls verwöhnten uns selbst in einem kleinen Restaurant mit einer großen Schorle, die irgendwie und scheinbar wie von alleine ganz schnell die Kehle runterlief.

Danach ging es hoch und runter, erst durch Wald und später (bei größter Hitze) durch die Weinberge. Gut, es ist aber auch eine tolle Gegend hier und die Ausblicke aufs Rheintal und die Vogesen (so sie denn zu sehen sind) immer wieder grandios, aber die Hitze und das stete Hoch und Runter sind anstrengend und wirklich schweißtreibend. Also nehmt genug zu trinken mit, wenn ihr diesen Weg geht! Ach ja, und ohne ein ordentliches Smartphone solltet ihr auch nicht gehen, denn wie schon erwähnt, sind die Muscheln oder gelben Pfeile sehr, sehr rar gesät.

Trotz Hitze, Durst, Staub und Schweiß kamen wir dann doch noch in Eisental an und standen am „Gasthof zur Traube“ vor verschlossener Tür. Dienstag leider Ruhetag. D. h. das Hotel war zwar geöffnet, aber das Restaurant geschlossen. Und die nächste Einkehrmöglichkeit gab es erst in ca. 1,3 km Entfernung im „Gasthaus Rebstock“. Gut, wir hätten auch nach Bühl reingehen können, aber das wären noch mal 3 km gewesen. Und das wollten wir uns dann doch nicht mehr antun. Es war einfach viel zu warm dazu und die 18 km auf stetem Auf und Ab taten ihr Übriges. So ließen wir den Abend beim Italiener im „Gasthaus Rebstock“ bei ziemlich windigen Böen ausklingen und freuten uns auf die nächste Etappe.

Das war also die 3. Etappe an einem ziemlich warmen Dienstag, den 23. Juni 2020 mit ca. 18 km von Ebersteinburg nach Eisental.

Da es so heiß werden sollte, sind wir früh aufgestanden und waren dennoch nicht die einzigen im Hotelrestaurant. Wieder wurde schön am Tisch serviert und wieder gab es ein perfektes Frühstücksei dazu 

So gut gestärkt konnte es dann halb neun losgehen und es ging erneut Bergauf in die Weinberge rein. Es wurde somit gleich wieder schweißtreibend und die Sonne tat ihr Übriges. Aber landschaftlich einfach wunderschön. Immer wieder diese Aus- und Weitblicke ins Rheintal und die Vogesen, da kann man schon ins Träumen aber auch ins Schwitzen kommen. Und Letzteres taten wir, oh ja, denn es wurde wieder ein heißer Tag. Der Höhepunkt für mich war neben den vielen kleinen Kapellchen (irgendwie schien hier jeder Weinberg seine eigene Kapelle zu haben) die St. Josephs Kapelle. Das ist ein bezauberndes Örtchen inmitten der vielen Weinreben zum Innehalten und Verweilen mit einem wirklich tollen Blick ins Rheintal. Leider gibt es auch hier keinen Pilgerstempel, obwohl es sich ja anbietet, so direkt am Weg.

Eine ordentliche Stärkung haben wir uns dann in Durbach gegönnt, wo man schön am Flüsschen draußen auf der Terrasse einer kleinen Bäckerei sitzen kann. Mit Blick auf ein luxuriös aussehendes Hotel haben wir unsere Schuhe gelüftet und unserer Kehle etwas Erfrischendes gegönnt.

Danach ging es wieder hoch und runter bis zu einer Kneippanlage kurz vor Kappelrodeck. Keine Ahnung, wann da zuletzt jemand durch ist, aber sie war in Betrieb, auch kein Verbotsschild war zu sehen, also zogen wir Schuhe und Strümpfe aus und gönnten auch unseren Füßen endlich mal eine kühlende Erfrischung.

Im „Hotel-Restaurant Prinzen“ hat man uns zuerst ein Zimmer zugewiesen, dass noch im Bau war (die Dusche), aber nachdem wir dann eine Etage tiefer gezogen sind, war die Welt wieder in Ordnung und wir konnten dann noch mal durchs Örtle schlendern und uns Kappelrodeck anschauen.

Dies war also unsere 4. Etappe, die uns mit ca. 24 km an einem heißen Mittwoch, den 24. Juni 2020 von Eisental bis Kappelrodeck führte.

Diesmal gab es ein Büfett im „Prinzen“, aber mit Handschuhen konnte man sich davon bedienen. Auch hier waren wir nicht die Einzigen bei Tisch. Leider gab es kein Ei zum Frühstück, aber da es erneut heiß werden sollte, haben wir uns bemüht, so schnell wie möglich wegzukommen, was uns dann auch halb neun gelang.

Bis Oberkirch kamen wir gut voran, obwohl es, wie auch die Tage zuvor, schweißtreibende Anstiege, besonders in den Weinbergen zwischenrein gab. Und wieder war der Weg miserabel beschildert, aber die Ausblicke ins Rheintal entschädigen dafür. Nett sind auch immer wieder die kleinen Kapellchen in den Weinbergen, aber auch hier sucht man nach Stempeln für den Pass vergebens.

In Oberkirch machten wir erst mal Pause und gönnten uns ein kleines Zweitfrühstück. Und hier konnte man eigentlich sagen, dass wir eigentlich aus dem Schwarzwald raus waren, denn der Weg ging jetzt eigentlich mehr an Straßen und natürlich durch Weinberge hindurch.

Nach Oberkirch gab es keine Einkehrmöglichkeit mehr, sodass wir mit kurzen Rastpausen unterwegs gegen viertel vor fünf völlig ausgelaugt und schweißgebadet in Offenburg ankamen. Diesmal hatten wir ein Zimmer im „ibis-style“ gebucht gehabt, was vom Preis/Leistungsverhältnis auch passte. Da wir tagsüber genug km gemacht hatten, schleppten wir uns nicht mehr durch Offenburg durch, sondern schlichen in den nächsten Supermarkt und ließen im Hotel dann den Tag allmählich ausklingen.

Die 5. Etappe führte uns wieder an einem heißen Sommertag auf ca. 26 km von Kappelrodeck bis Offenburg, und zwar an einem Donnerstag, den 25. Juni 2020.

Auf Grund von Corona gab es leider kein Frühstück im Hotel, sodass wir schon halb acht los sind und erst mal bis Schutterwald gingen. Aber was für eine Enttäuschung, denn auch dort gab es keine Möglichkeit, um ordentlich zu frühstücken. Also haben wir uns im backshop einen Kaffee to go und ein Belegetes geholt und beides dann im Wartehäuschen einer Busshaltestelle verzehrt. Eigentlich hätte man vermutet, dass es gerade hier einen Pilgerstempel gibt, wo doch der Kinzigtäler Jakobsweg hier den badischen kreuzt und auch ein Stück begleitet, aber das wäre wohl zu viel des Guten gewesen, denn es gab einfach keinen Stempel hier. Früher wurde man in oder an der Kirche hingewiesen, wo man klingeln konnte, um einen Stempel zu bekommen, aber selbst von diesem Hinweis fehlte jede Spur. Traurig, traurig, dass man auf einem Jakobsweg bis jetzt nur einen einzigen Stempel bekommen konnte!!!

Dafür haben wir uns heute endgültig vom Schwarzwald verabschiedet, denn es ging durch die Rheinebene schön flach durch Getreidefelder und Wiesen. Man könnte es auch die Badische Meseta nennen. Es ist zwar schön, wenn es mal nicht mehr rauf und runtergeht, aber so durch flache Landschaften und ziemlich oft auch ohne Schatten, das zehrt auch an den Kräften. Und wenn man dann noch durch Örtchen kommt, wo man hätte einkehren können, aber vor verschlossener Tür steht, nimmt das Pilgergesicht schon eine andere Farbe an. Jedenfalls hat das Dorfsterben auch hier um sich gegriffen, denn von den einst 3 Gasthäusern hat nur noch eins in Schuttern geöffnet und das liefert auch nur auf Vorbestellung aus und schließt um 13:30 Uhr seine Türen. Obwohl wir viertel nach eins dort waren, gab es nix mehr für uns und nur der Dönerladen die Straße weiter runter konnte uns vorm Verhungern und Verdursten retten. Keine Ahnung, ob das nur wegen Corona so oder generell so ist …

Weiter ging es dann durch flache Landschaft in gleisender Sonne bis Lahr hinein, wo wir im „Landgasthof Sonne“ unterkamen. Dieser befindet sich nicht direkt in Lahr, liegt dafür direkt am Jakobsweg und das finde ich immer am bequemsten. Wenn man eh schon den ganzen Tag durch die Gegend läuft, muss man nicht auch noch abends ewig umherirren, um eine Unterkunft zu finden. Da dieser Landgasthof schon etwas in die Jahre gekommen ist, wollten wir das Essen hier im Restaurant eigentlich nicht versuchen, sondern sind in den nächstgelegenen Supermarkt und haben uns dort mit Abendbrot eingedeckt und gleichzeitig entdeckt, dass es dort auch unser Frühstück für den nächsten Tag gab.

An einem heißen Freitag, den 26. Juni 2020 sind wir ca. 28 km von Offenburg nach Lahr gepilgert und haben damit unsere 6. Etappe auf dem Weg nach Santiago de Compostella hinter uns gelassen.

Und wieder sollte es eine kurze Etappe werden, weshalb wir etwas später aufgestanden und erst halb neun losgelaufen sind. Wie schon erwähnt, führten unsere ersten Schritte zum Backshop in einem Discounter, um unser Frühstück zu besorgen, da eben jener Discounter direkt am Weg liegt. Da es an Sitzmöglichkeiten mangelte, gab es auch keinen Kaffee diesmal, sondern nur ein Belegtes, welches wir wenig später auf einem Bänkchen in einem Wäldchen in uns gestopft haben. Danach ging es wieder durch die badische Meseta bis nach Rust hinein. Dieses Örtchen verbindet man eigentlich nur mit dem Freizeitpark, kann man auch, denn es gibt nichts weiter darin zu sehen und leider auch nichts Positives darüber zu berichten. Denn eigentlich wollten wir hier unser zweites Frühstück haben, aber das sollte ein Traum bleiben. Die wenigen Restaurants, die es gab, hatten entweder Pause oder öffneten erst 17 Uhr ihre Pforten. Blieben also noch die Backshops zu erwähnen übrig, aber das eine wollte keinen Umsatz mehr, denn obwohl es erst kurz nach 12 war, sie um 12:30 Uhr jedoch schließen, waren schon alle Tische und Stühle angekettet und der Kaffeeautomat war auch schon am Spülen. Der nächste Backshop lag am Dorfausgang, was wir aber nicht wussten und der hätte sogar bis 13 Uhr geöffnet und man hätte auch draußen sitzen können. Aber so ist es halt, wenn man auf Pilgerpfaden unterwegs ist: Man muss sich immer wieder überraschen lassen, positiv wie auch negativ.

Raus aus dem Ort ging es dann an der Straße entlang nach Rheinhausen, wo wir gegen 14 Uhr unsere „Ferienwohnung Horcher“ im Keller bezogen. War das herrlich dort. So geräumig und so angenehm frisch. Eine Wohltat für den von Sonne und Schweiß geplagten Körper  Und da die angenehme Kühle einen wieder klar denken lässt, sind wir zu folgendem Ergebnis bis jetzt von diesem Weg gekommen: Bis Offenburg ist er sehr schön zu laufen, zwar wird man hoch und runter durch den Schwarzwald gejagt, aber man wird immer wieder mit herrlichen Aus- und Weitblicken ins Rheintal belohnt. Allerdings ist die Beschilderung des Weges mehr als denkwürdig und um einiges ausbaufähig, aber dank Smartphone haben wir immer wieder den richtigen Weg gefunden oder sind zu diesem zurückgekehrt. Nach Offenburg geht es zwar nicht mehr rauf und runter, dafür lässt die Meseta grüßen oder auch das Nördlinger Rieß (wer das kennt, weiß, was gemeint ist). Diese Wegstrecke ist eine schweißtreibende Angelegenheit bei Außentemperaturen von sowieso schon 30°C und mehr. Und was man leider auch erwähnen muss: Es gibt keine Pilgerstempel weit und breit! In jede Kirche oder Kapelle, die man betritt – keinen Stempel! Traurig aber wahr.

Abgesehen von den fehlenden Stempeln haben wir uns an diesem Tag noch entschieden, nicht bis Thann, sondern nur bis Colmar zu laufen, weil man von da besser heim und im nächsten Jahr wieder hinkommt.

Und diese 7. Etappe liefen wir an einem sehr heißen Samstag, den 27. Juni 2020 in ca. 18 km von Lahr nach Rheinhausen.

Zum Frühstück gab es wieder mal leckere Sachen aus dem Discounter, die wir tags zuvor käuflich dort erworben haben. Um 9 Uhr ging es dann los, wehmütig zwar, denn es war so angenehm frisch und kühl in der Kellerwohnung, dass man sich nur schwer davon trennen konnte / wollte, aber es nutzte nichts. Wir mussten weiter!

Es wurde zwar nicht ganz so heiß heute und wir kamen auch ohne wirklich nass (ja, ja, auch Regen fällt mal ins Paradies …) zu werden gut durch, aber es mangelte mal wieder an Sitz- und Einkehrmöglichkeiten unterwegs  Da war es im Schwarzwald angenehmer zu laufen und zu rasten! Nicht einmal in Weisweil (wo wir ursprünglich übernachten wollten) gab es eine Wirtschaft, geschweige denn einen Laden, naja und von Stempeln ganz zu schweigen …

Nach Weisweil ging es immer schön am Mühlbach entlang, mal im Schatten, mal in der Sonne, bis wir zu Vater Rhein kamen. Da ging es dann 5 km ungefähr schön am Rheindamm entlang. Wer will, kann auf dem Damm entlang flanieren, aber wir bevorzugten den unteren Weg neben dem Damm. Und wer glaubt, der könne sich hier mal irgendwo ausruhen, Fehlanzeige. Da war die ganzen 5 km von keinem Bänkchen was zu sehen 

Kurz vor der Limburg breiteten wir dann unsere Decke im Gras aus und hielten ein kurzes, wirklich nur ein ganz kurzes Nickerchen, bevor es dann ausgeruht zur Burgruine hochging. Von der Limburg selber war ich etwas enttäuscht, aber man hat einen fantastischen Blick über Weinberge und sanfte Hügel. Und wo es raufgeht, geht es auch wieder runter, denn anschließend verlief der Weg durch die Weinberge zur Limburg-Kapelle, wo man zwar gut sitzen und eine Banane z. B. essen kann, aber auch hier vergebens nach einem Stempel sucht.

Den Kreuzweg in umgekehrter Richtung ging es dann hinab ins Tal nach Sasbach, wo wir im „Vesper Café“ den ersten richtigen Kaffee seit Schutterwald bekamen. Keine 200 Meter später waren wir dann auch schon am „Gasthof Löwen“ angelangt, wo wir unser Quartier im Gästehaus nebenan beziehen konnten.

Die 8. Etappe absolvierten wir an einem Sonntag, den 28. Juni 2020 mit ca. 18 km von Rheinhausen nach Sasbach.

Endlich gab es mal wieder ein ordentliches Frühstück mit Saft und Ei und frischen Brötchen  Da lacht das Herz. Eigentlich war heute Ruhetag im „Gasthof Löwen“, aber Frühstück wurde noch serviert. Was für ein Glück und wir waren nicht die Einzigen dort!

Zwischen halb und um neun sind wir dann auch losgelaufen und es lief sich richtig gut an, obwohl kaum losgelaufen, es anfing zu regnen, sodass wir uns in Schale werfen mussten. Aber schon nach einer halben Stunde ungefähr war alles wieder vorbei. Es war wirklich ein schönes Laufen heute, zumal es angenehm frisch war. Das Highlight war gegen 11 Uhr das Städtchen Burkheim, wo wir einen zweiten Kaffee bekamen. Burkheim ist wirklich sehenswert; ein schnuckeliges, mittelalterlich anmutendes Städtchen umgeben von Wäldchen und Weinbergen – eine Perle einfach.

In Niederrotweil hätte es einen Stempel für den Pilgerpass gegeben, aber die Kirche öffnet erst um 14 Uhr ihre Pforten. Blöd nur, dass wir schon um 12 Uhr davorstanden und nun dumm guckten. Also zogen wir ungestempelt weiter und mussten doch tatsächlich wenig später unsere Regensachen erneut anziehen, denn es begann mal richtig zu schütten. Und das nicht nur 10 min lang, sondern mal den ganzen Weg am Damm entlang, der neben dem Rhein etwa 3 bis 4 km verläuft. Es hätte uns ja nichts ausgemacht, denn seit dem portugiesischen Jakobsweg im Jahr 2016 sind wir Regenerprobt, aber die Schuhe waren leider nicht mehr dicht und die Regenjacken boten auch nicht das, was sie für ihr Geld versprachen.

Kurz vor Breisach hörte es dann auf zu regnen, der Himmel riss auf und die Sonne grüßte wieder von oben runter, sodass wir uns an einer Bushaltestelle der triefenden Regensachen entledigen konnten. Dennoch ziemlich durchnässt kamen wir gegen 16 Uhr in unserer Unterkunft, dem „Freiburg Appartements“ an und wir mussten trotz Regens zugeben, dass es alles in allem doch eine schöne Etappe gewesen war.

Und diese schöne Etappe mit ihren ca. 20 km liefen wir an einem Montag, den 29. Juni 2020 von Sasbach nach Breisach.

So, unsere letzte Etappe brach an, die mal wieder sehr schön zu laufen, aber trostlos zum Einkehren war. Los ging es ca. 8:30 Uhr ohne Frühstück, das wir aber wenig später schon in einem Backshop kurz vor der Brücke über den Rhein einnehmen konnten.

Nach der Rheinbrücke machten wir einen Abstecher nach Neubreisach auf der französischen Seite, aber das hätten wir uns auch sparen können, denn so schön wie Breisach ist Neubreisach bei Weitem nicht. Nun gut, wie schon erwähnt, kam danach nichts mehr zum Einkehren, Rasten oder Ausruhen. Es ging einfach nur gerade aus durch lichten, stillen Wald. Nur die Vögleins zwitscherten und trällerten munter drauflos. Die Menschen jedoch wurden gebeten, sich ruhig zu verhalten und in Stille zu wandeln. Warum auch immer, keine Ahnung. Man musste einfach nur gehen, bis am Naturobservatorium die ersten Bänke auftauchten. Und das war so ungefähr 5 km von Colmar entfernt.

Gegen 16 Uhr trudelten wir in Colmar ein und merkten schon beim Hineingehen, dass uns ein wirklich schönes Städtchen erwarten sollte. Da unser Appartement direkt in der Innenstadt lag, mussten wir also den Jakobsweg schon früh verlassen, um zu unserer Unterkunft zu gelangen. Das Appartement liegt zwar direkt in der Innenstadt, aber es ist dennoch ruhig in dieser Seitenstraße und man bekommt nichts mit vom alltäglichen Straßenlärm und Stadtgetummel. Das Appartement selber würden wir nicht noch mal buchen, denn es hat seine besten Jahre schon hinter sich und grüßt nur noch mit einem morbiden französischen Charme, den wir kein zweites Mal brauchen.

Und hier, an einem Dienstag, den 30. Juni 2020 und nach ca. 25 km von Breisach nach Colmar endet dann auch unsere Etappe vom diesjährigen Jakobsweg. Und vielleicht, wenn die Gesundheit es mitmacht, starten wir nächstes Jahr von Colmar aus unsere nächsten Etappen bis Santiago de Compostella.

In diesem Sinne: Bon camino !

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