Von Hausach nach Engen durch die Wutachschlucht 2013

Schwarzwaldwanderung Hausach-Engen

Samstag, 22. Juni 2013 (Karlsruhe) Hausach-Triberg) ca. 17 km

Heute standen wir schon zeitig auf, um unseren Zug nach Hausach zu bekommen, was wir auch tatsächlich in letzter Minute schafften. Nachdem sich der Zug in Offenburg ordentlich geleert hatte, stiegen wir frohgelaunt kurz vor halb zehn in Hausach aus, warfen einen letzten Blick auf die Wegweiser am Bahnhof und wanderten los. Das erste Stück ging schön neben den Bahngleisen bei noch

angenehmen Temperaturen entlang. Doch die Sonne bahnte sich einen Weg durch die Wolken und es wurde warm und wärmer und die Landschaft schön und

schöner, wie im Schwarzwald eben. Auch Bänkchen zum Rasten gab es jetzt noch häufig, mitunter sogar richtig ergonomisch geformte!

 

Unter blauem Himmel und viel Sonnenschein kamen wir wenig später am Freilichtmuseum des

Vogtbauernhofes vorbei, das gerade seine Pforten öffnete. Danach dauerte es nicht mehr lang und wir konnten endlich die Seite wechseln,

um von dem eintönigen Asphaltweg entlang der Schienen wegzukommen. Das nächste Stück Weg verlief auf einem Jakobsweg, den wir aber recht schnell wieder verließen und an diesem schmucken Gasthaus vorbeikamen, welches wir jedoch rechts liegen ließen.

 

Die blaue Raute führte uns schön an der Gutach entlang bis kurz vor Hornberg,

wo wir im Schatten kleiner Obstbäume unsere Picknickdecke niederlegten und ein Nickerchen hielten, nachdem wir zuvor unser Picknick auf einem Bänkchen am Flüsschen verzehrt hatten. Da es bis jetzt nur ebenes Gelände war, durch das uns die blaue Raute führte, dachten wir, wir würden Triberg schon um vier Uhr erreichen. Aber weit gefehlt, denn es sollte uns noch ordentlich Schweiß kosten, bis wir bei Familie Weber sein sollten.

In Hornberg selber merkten wir noch nichts von dem steinigen Aufstieg, waren nur beeindruckt von dem Viadukt

der Schwarzwaldbahn, das in einer Höhe von 24 Metern nicht durch, eher über den Ort führte. Auch am Bärle

kamen wir vorbei und mussten sofort an unser haariges Bärenkind (schwarzes Ungeheuer auf vier Pfoten, was gaaannnzzz laut maunzen kann) daheim denken. Doch dieses hier hat man zum Gedenken an ein für diesen Ort ziemlich wichtiges Gebäude gesetzt, das hier an dieser Stelle mal gestanden hat.

Immer noch auf ebener Strecke führte uns der Weg vorbei an der wohl größten WC-Schüssel

der Welt und hätten wir die Zeit gehabt, hätten wir einen Abstecher ins „Duravit Design Center“ gemacht. So wanderten wir weiter und merkten schon, dass es jetzt langsam aber stetig bergauf ging. Auch wenn hier die Straße repariert wurde, aber an der Ketterei-Brauerei

musste man einfach vorbei und wurde danach so richtig ordentlich ins Schwarzwaldpanorama eingeführt.

 

Und an diesem Ort fiel er uns zum ersten Mal auf: der Hydrantenmann.

Überall, in jedem Ort, wo wir ab jetzt hinkamen, grüßten uns die bunten Hydranten. Eine neckische Idee, um das triste Grau der Straße etwas lebhafter erscheinen zu lassen.

Da es wieder Zeit für ein Päuschen war, nahmen wir einen kurzen Abstecher zum „Gasthaus zum Rössle“ in Kauf,

wo wir Schuhe lüften und uns ordentlich stärken konnten. Danach ging es weiter bei wattiertem Himmel und heiter Sonnenschein durch sanfte Hügel, mehr oder weniger nah entlang der Gutach und den Hornberger Uhrenspielen,

 

 

bis es anfing, steil nach oben zu gehen.

Auch hier waren die Schäden des letzten Unwetters noch zu sehen, die nicht immer einfach zu umgehen waren, wenn der Weg eh schon so schmal ist, dass man grad so durch passt. Froh über jede Sitzmöglichkeit, die sich uns nun bot,

nahmen wir diese dankbar an, um zu rasten und Schuhe zu lüften (wird oft wiederholt, ich weiß, ist aber extrem wichtig, um der Blasenbildung vorzubeugen). Aber es gab auch Sitzmöglichkeiten,

 

die allmählich zu dem zerfallen, was Dünger für den Wald ist.

Ja, dieser Weg …

 

Er führte uns hoch und runter, an interessanten, wohl aber künstlich angelegten Wasserfällen,

 

 

 

originellen Sitzmöglichkeiten,

 

 

einer überdimensionalen Kuckucksuhr

 

und dem neu eingerichteten Schwarzwalderlebnispfad entlang.

 

Dieser Pfad ist erst letztes Jahr angelegt worden und bietet so manch Attraktionen,

 

endet jedoch abrupt neben den Bahngleisen in Triberg,

 

 

was sehr gewöhnungsbedürftig ist. Also Triberg ist schon sehenswert. Das merkt man bereits, wenn man auf dem Bahnhof ankommt und von einem Ungetüm von Lok begrüßt wird.

Hätten wir allerdings gewusst, wie weit Familie Weber vom Bahnhof entfernt wohnt, wir hätten uns abholen lassen. Denn es waren noch einmal geschlagene drei Kilometer zu bewältigen und das hieß auf der einen Seite von Triberg hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf. Aber wir haben es auf Schlag sechs Uhr geschafft, bei ihnen an der Haustür zu klingeln, nachdem wir gesagt hatten, wir kämen zwischen vier und sechs Uhr.

Familie Weber ist ein liebenswürdiges Rentnerehepaar, das sich rührend um seine Gäste kümmert (diese auch schon mal vom Bahnhof abholt) und uns gleich Kaffee und Wasser angeboten haben. Sogar den Pizzaservice haben sie für uns bestellt, da wir nicht mehr in der Lage waren, auch nur einen Meter noch wohin zu gehen.

 

Sonntag, 23. Juni 2013 (Triberg-Linach) ca. 17 km

Ja, am nächsten Tag hieß es nicht ganz so früh aufstehen, denn um halb neun gab es Frühstück und wir waren froh und dankbar, nicht im Zelt genächtigt zu haben (wäre ohnehin nicht möglich gewesen mangels Campingplatz), denn es hatte ordentlich geregnet gehabt die Nacht. Herr Weber war so freundlich und fuhr uns noch bis zur ersten weltgrößten Kuckucksuhr hinauf,

an der wir auch glücklicherweise kurz vor zehn Uhr eintrafen. Da wir noch ein paar Minuten bis zum Erscheinen des hölzernen Vogels übrig hatten, gingen wir durch dieses „Museum“

 

 

und trafen auf der Wiese auf diesen riesigen Bollenhut, der aber leider nicht zum

 

 

Aufsetzen war. Als der Kuckuck uns erschienen und die zehnte Stunde raus posaunt hatte, machten wir uns auf den Weg zum Triberger Wasserfall, was ja auch zur Weihnachtszeit eine richtige Touristenattraktion ist.

Zuerst kamen wir an einem kleinen Bergsee vorbei,

 

der wirklich idyllisch in der Landschaft eingebettet liegt, ließen kurz darauf dieses kleine Kirchlein

 

einfach links liegen und folgten dem Weg bis zur Mittelbrücke

 

des berühmten Wasserfalles. Eigentlich habe ich mir diesen Wasserfall

 

 

viel gigantischer vorgestellt, aber dafür, dass er so steil bergab fällt,

 

ist es schon imposant, daneben

 

oder darüber zu stehen und das Wasser in die Tiefe stürzen zu sehen. Immerhin stürzt die Gutach hier über sieben Stufen zu Tal und nicht umsonst ist es Deutschlands höchster Wasserfall!!

Und diesen Weg haben wir uns vollbepackt hochgequält … Es ging zwar nur im Schneckentempo voran, aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen und stiefelten weiter bis zur „Adelheid“. Das ist eine kleine Anhöhe nach dem Wasserfall mit einer netten Einkehrmöglichkeit, die wir allerdings nicht nutzten, denn wir hatten unser Picknick im Gepäck. So erfreuten wir uns nicht nur an der blühenden Landschaft,

sondern auch an den herrlichen Ausgucken und Weitblicken ins Ländle hineien 🙂

 

 

Irgendwann am frühen Nachmittag war Furtwangen schon in Sicht, aber: das liegt i m T a l und wir befanden uns hoch über der Stadt im Wald! Das hieß, wir mussten wieder hinunter

und das ging mal richtig in die Knie Aber was uns nicht umbringt, macht uns stark, selbst wenn die Beschilderungen sehr zu wünschen übrig ließen und manch Wanderweg erst mit der Machete freigelegt werden musste.

 

Jedenfalls führte dieser verwilderte Wanderweg mitten durch ein Firmengelände,

 

 

direkt nach Furtwangen hinein.

Es war früh am Nachmittag, die Sonne schien heiß herab, die Schuhe wollten gelüftet werden, was lag da also näher als ein Päuschen einzuschlagen? Also kehrten wir in dasselbe Café wie schon letztes Jahr ein und genossen unseren Kuchen und Milchkaffee. Und ich muss an dieser Stelle einmal lobend erwähnen, dass ich hier mit Abstand das beste Stück Schwarzwälder Kirschtorte genossen habe, das ich je zu mir genommen hatte. Denn das hier hatte ordentlich Schuss und war nicht nur am Kirschwasser vorbeigeschwebt! Nun gut, der Kuchen war gegessen, der Kaffee getrunken und wir hatten noch etwas Zeit übrig, um ins „Deutsche Uhrenmuseum“ zu gehen.

Hier geht einem das Herz auf, wenn man etwas (für) Zeit übrig hat,

 

 

 

 

 

besonders für Kuckucksuhren!

Aber so richtig genießen konnten wir diese Sammlung nicht, denn unsere eh schon müden Füße wollten einfach nicht mehr nur stehen, sondern wieder gehen. Also stapften wir gegen halb vier weiter Richtung Linach und kamen wieder mal an seltsam aussehenden Baumstämmen vorbei.

Und wie auch schon im letzten Jahr, war der Campingplatz fast leer. Obwohl wir das Zelt dabei hatten, schlugen wir es nicht auf, denn es war Regen vorhergesagt (wen wundert es, wenn wir unterwegs sind …)! Jedenfalls bekamen wir ein schnuckeliges Zimmer im „Michelshof“ und genossen die Nacht im Trockenen.

 

 

Montag, 24. Juni 2013 (Linach-Neustadt) ca. 19 km

Und es hatte doch geregnet letzte Nacht … Froh und glücklich, nicht im Zelt genächtigt zu haben, standen wir in aller Seelenruhe gegen acht Uhr auf und waren überhaupt nicht böse, dass der Regen an die Scheiben klopfte. Wir saßen ja im Trockenen und mussten auch kein Zelt abbauen Jedenfalls genossen wir auch das Frühstück als einzige Gäste im Lokal eine Treppe tiefer, inklusive knuspriger Schwarzwaldwecken in anheimelnder Schwarzwaldatmosphäre, denn die Decke dieser Gaststube war in viele Holzquadrate unterteilt, die alle einzeln handbemalt waren. So etwas gibt es wohl nur noch im Schwarzwald …

Die Sachen waren schnell zusammengepackt, so dass es gegen halb zehn bei schauerlichem Wetter auf zur nächsten Etappe gehen konnte. Mit einem letzten Blick zurück auf den „Michelshof“ starteten wir

in Regensachen gehüllt an diesem Montagmorgen in einen mit Regenschauern durchwachsenen Tag. Eigentlich war das Wetter ideal zum Wandern, denn es war nicht zu heiß und trotz der vielen und teilweise intensiven Schauer zwischendrein gab es richtig frische Luft zu atmen, was uns gut voranbrachte. So wanderten wir wohl wetterbedingt teilweise wie durch einen Märchenwald,

so, wie es in Grimms Geschichten zu lesen gibt: Nebelschwaden waberten durch den Wald, verfingen sich in losem Nadelgehölz oder glänzten als winzige Tröpfchen an dürren Ästchen und tanzten dabei einen einsamen Tanz, wenn dann doch die Sonne wieder durchs Gestrüpp drang. Nur Rotkäppchen haben wir nicht getroffen und auch keinen Wolf …

Irgendwann passierten wir dann wieder einmal einen Schilderwald

und mussten uns nun doch entscheiden: Titisee oder Neustadt?! Da wir Titisee bereits kennen gelernt haben, es noch immer schauerte und die Temperatur die kommende Nacht nicht über 10°C klettern sollte, entschieden wir uns für Neustadt, was dann doch keine schlechte Idee war. So wanderten wir von nun an auf dem Mittelweg Richtung Neustadt und mussten doch schon aufpassen, dass wir auch ja kein Schildchen übersahen.

Da wir erst gefrühstückt hatten, ließen wir den „Gasthof Kalte Herberge“ rechts liegen

und wanderten weiter den Mittelweg entlang über Hochberg, am Hellewanderhof vorbei und machten Picknick zur besten Mittagszeit kurz vor dem Ahornhof. Trotz Regen konnte man einigermaßen gut den Blick über die Landschaft gleiten

und so doch noch seine Seele baumeln lassen. Irgendwie fällt hier alles etwas größer aus: die Wegekreuze

 

aber auch die Ameisenhaufen,

 

die jedoch von purem Leben zeugen!

Am Ahornhof haben wir den Mittelweg verlassen und sind der gelben Raute über den Fehrenfelsen hinunter nach Neustadt gewandert. Neustadt selber ist ein kleines, beschauliches Städtchen,

was dennoch die meisten Touristen an Titisee verliert, denn als wir dort ankamen, waren die meisten Unterkünfte geschlossen oder die Vermieter, Pächter nicht erreichbar. Ja, das Leben spielt sich eben in Titisee und nicht in Neustadt ab! Dennoch hatten wir Glück und bekamen ein Zimmer im Hotel „Jägerhof“

auf Empfehlung der Touristeninfo, die nur sieben oder acht Gehminuten entfernt liegt. Das Hotel hat zwar auch schon bessere Zeiten erlebt, aber da wir nur duschen und schlafen wollten, konnten wir leicht darüber hinwegsehen. Immerhin war das Bad renoviert und leuchtete und strahlte in modernem Grohe-Design. Und unser Blick aus dem Fenster fiel direkt auf den Mittelweg, den wir am nächsten Tag weiter bewandern wollten.

 

 

Dienstag, 25. Juni 2013 (Neustadt-Reiselfingen) ca. 20 km

Es war noch nicht alles getrocknet, aber es regnete auch nicht mehr, so dass wir eigentlich ohne Regensachen loslaufen konnten. Aber ich traute dem Frieden nicht und behielt sie trotzdem an, denn heute sollte es durch die Wutachschlucht gehen. So verließen wir Neustadt gegen halb zehn und warfen noch einmal einen letzten Blick auf das Münster,

bevor es in den Wald ging oder besser gesagt neben ihm entlang. Über uns spannte sich eine riesige Brücke,

über die der Verkehr mal mehr oder weniger schwer rollte oder hinweg donnerte.

 

Ja, auch so etwas gibt es. Mitten in der Pampa ein Privatübergang für Fahrzeuge über einen

eingleisigen Schienenstrang. Noch nie gesehen, so etwas, dennoch faszinierend. Kurze Zeit später kamen wir an einem richtig schön hergerichteten Rastplatz vorbei, der vom Lions Club gestiftet war und sogar zum Rodeo einlud.

Aber bei all dem ahnten wir noch nicht, was uns noch bevorstehen würde, denn kurz hinter der „Kappel-Gutach-Brücke“

 

ging es hinunter in die Gutachschlucht. Das Schildchen allerdings war wieder so gut versteckt,

dass wir erst irrtümlich an der Straße entlang sind, um dann doch wieder umzukehren, da es an der nächsten Abzweigung so gar keinen Hinweis mehr auf einen eventuellen Wanderweg gab. Aber ehrlich gesagt: Mir graute. Als ich diesen Trampelpfad,

denn mehr war es wirklich nicht, betreten hatte, habe ich im Stillen drei Rosenkränze und fünf Ave Maria gebetet, so zugewachsen war der und nass und rutschig vom Regen der letzten Zeit obendrein. Deutete das doch auf ein Himmelfahrtkommando, nur dass es hier nicht nach oben, sondern mitunter ziemlich steil bergab ging. Manchmal hatte man echt zu kämpfen, nicht vor lauter Wildnis

vom Pfad abzukommen und in die Gutach zu stürzen, die als reißender Strom

 

neben uns durchs Tal rauschte.

Ja, dieser Weg wird kein leichter sein … Das haben wir dort auch gedacht,

aber das war ja erst der Anfang! Ich hatte geglaubt, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, aber die Gutach

 

und die Wutach haben es halt in sich! Irgendwann jedoch lichtete sich der Wald

und der Weg wurde breiter und führte uns aus dem Tal hinauf in die Höhe. Wir waren nun auf dem E1 angelangt,

 

der auch seine Reize hat.

Das „Kraftwerk Stallegg“,

 

sowie die „Stalleggbrücke“

 

ließen wir rechts liegen und folgten dem zum Teil aufgeweichten Weg

 

weiter bis zum „Räuberschlössle“,

von dem wir uns mehr erhofft hatten. Aber es war nur noch der Ausguck und ein paar wenige Mauerreste geblieben, mehr nicht, so dass sich der Abstecher nicht wirklich gelohnt hat. Immerhin waren wir schon im Rettungssektor E angekommen (wohlbemerkt: bei A haben wir den halsbrecherischen Abstieg begonnen und bis Z sollte es noch gehen). Aber dieser Abschnitt des E1 kann wirklich nicht gegensätzlicher sein, denn kleine Wasserfälle am Wegesrand,

deren Wasser sich dann über den Weg ergießen, wechselten sich genauso mit Wiesenwegen

 

in luftiger Höhe ab.

Am frühen Nachmittag endlich erreichten wir die „Schattenmühle“

 

und bekamen dort unseren Milchkaffee und Kuchen von einer fesch aussehenden Kellnerin im Schwarzwaldlook mit Bollenhut serviert. Das also war ein Teil des Schwarzwaldes, in dem man den Bollenhut trägt. Nur in drei Gemeinden ist das so Brauch: in Kirnbach, Gutach und Reichenbach. Und dann wird ja noch zwischen den mit den roten und den schwarzen Bollen unterschieden. Aber das führt jetzt hier zu weit, schließlich sind wir ja beim Wandern und auf keiner Exkursion!

Jedenfalls war diese Kellnerin in diesem Outfit schon eine Augenweide, da schmeckte der Kuchen gleich noch mal so gut. Da hier an dieser Stelle jedoch kein Handyempfang war, gestattete man mir, vom Haustelefon im nächsten Ort anzurufen, um eine Unterkunft für die nächste Nacht zu buchen. Unsere Zeltausrüstung hatten wir ja schon in Neustadt auf den Heimweg geschickt, weil uns das Wetter wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte (wieso sollten wir auch Glück mit dem Wetter haben, wenn wir schon zu Fuß unterwegs sind … ts, ts, ts).

Also liefen wir gestärkt weiter durch die Schlucht auf zum Teil sehr denkwürdigen Wegabschnitten,

die uns immer wieder fragen ließen:

Was kommt denn noch? Doch um zu unserer Unterkunft im „Gasthaus zur Krone“ in Reiselfingen zu gelangen, mussten wir aus dem Tal wieder hinauf in luftige Höh‘.

Und was bot sich da mehr an als der Kreuzweg? Ja, diesen gibt es tatsächlich hier und einmal mehr fühlte ich mich dem Kreuztragenden ziemlich nah. Denn auch wir quälten uns mit unserer zwar geleichterten aber immerhin noch acht Kilo schweren Wanderausrüstung den Berg hinauf.

Nach einer guten Stunde etwa erreichten wir den Gasthof, der seine beste Zeit auch schon hinter sich hatte. Immerhin hing ein Holzkreuz über dem in die Jahre gekommen Bett und sollte uns wohl vor bösen Träumen bewahren. Dafür kamen wir des Abends bei Tisch ins Gespräch mit einem netten, jungen Burschen, der ebenfalls zu Fuß und mit Rucksack von Lindau nach Freiburg unterwegs war (und das schon seit dem 11. Mai!) und wohl das Abenteuer pur suchte. Denn er schlief mal hier, mal da, mal dort, sprich, wo er etwas angeboten bekam. Gut, vor zwanzig Jahren hätte ich das auch so gemacht, aber heute gibt es halt kaum noch Bauern mit Scheunen voller Heu. Ja, die Zeiten ändern sich, mitunter in einem rasanten Tempo! Ihn hat man dann auf den Sportplatz geschickt, da sollte er noch mal nachfragen und wir trotteten später gut genährt und trotzdem müde hinauf in unser Zimmerle und ließen schon recht zeitig den lieben Gott einen netten Herrn sein.

 

Mittwoch, 26. Juni 2013 (Reiselfingen – Blumberg) ca. 20 km

Nach einer angenehmen Nacht unterm Holzkreuz machten wir uns wie üblich gegen halb zehn auf den Weg zurück in unsere Schlucht. Das erste Stück kannten wir ja jetzt, und ich entledigte mich noch vor dem Abstieg meiner Regensachen, denn es versprach sonnig zu werden. Die Sonne, das schon vergessen geglaubte Wesen, wagte sich hinter den Wolken hervor und sollte uns mal wieder einheizen. Dagegen hatten wir absolut nichts einzuwenden, nach all den nasskalten Temperaturen der letzten Zeit. Außerdem schirmte das mitunter dichte Blätterdach einige der lästigen UV-Strahlen ab, so dass wir gut durch unsere Schlucht kamen. Doch beim Anblick der riesigen,

wilden Rhabarberpflanzen bekam ich eine gute Vorstellung von dem, wie es wohl zu Jura- oder Tertiärzeiten ausgesehen haben muss. Nur dass die Pflanzen dann noch höher, gigantischer und das Blätterdach noch dichter gewesen sein musste.

Jedenfalls dauerte es nicht lange und wir wechselten über das reizende Flüsschen auf die andere Seite und verfolgten der Wutach Lauf nun auf der rechten Uferseite,

mal mehr oder weniger im Tal entlang.

 

Und was soll ich sagen? Wir waren nicht alleine! Abgesehen von wilden Tieren,

begegneten oder verfolgten uns heute mehr Wandersleut‘ als am gestrigen Tag und das an mitunter halsbrecherischen Stellen, wo der Steg oder Pfad eh schon zu schmal für eine Person ist! Zumindest herrscht mal kein Wassermangel hier, denn so viele Wasserfälle

 

wie es hier gibt, habe ich noch nie auf einer Wegstrecke erlebt. Manche lassen sogar noch Raum

 

für Möglichkeiten …

So, nachdem es eine Zeitlang im Tal entlang ging, konnte es ja auch mal wieder nach oben gehen, um einen imposanten Blick auf den Dschungel

 

unter uns werfen zu können. Und auch hier gibt es Wegekreuze,

wie sehr gut zu erkennen ist. Auch habe ich nicht gewusst, dass die Wutach sich durch einen Canyon winden muss.

Denn nachdem es ordentlich auf gefährlichem Weg nach oben ging, mussten wir wieder auf gefährlich glitschigem Boden nach unten, um zu diesem Canyon zu gelangen.

Aber dieser Canyon ist der wohl kleinste, je durchwanderte und nachdem ein Herzchen in den weichen Sand am flachen Ufer gemalt ward, mussten wir natürlich wieder (wie konnte es auch anders sein) steil

hinauf und kamen irgendwann zum Ende der Wutachschlucht.

Dass hier allerdings auch der Pilger gedacht wurde, war uns fremd, erfreute uns aber umso mehr, als wir dann dieses Schildchen sahen.

Und hier kam es uns auch in den Sinn, den Jakobsweg mal von daheim aus bis Santiago in Angriff zu nehmen. Nicht heute und nicht morgen und übermorgen nicht gleich, aber so in drei, vier Jahren wäre das in Ordnung.

An der „Wutachmühle“ legten wir dann erst einmal ein Päuschen ein. Ich dachte Wunder was wir hier geboten bekamen, war deshalb beinahe enttäuscht, nur einen schnöden Kiosk vorzufinden.

Allerdings war es kein gewöhnlicher, denn ein ordentliches Speisenangebot verwöhnte jeden Gaumen mit Deftigem, Saftigem, Trockenem und Süßem. Man musste also nicht hungern oder dursten und konnte sich im Nachgang sogar noch erleichtern.

Dass es hier so langsam raus aus dem Schwarzwald ging, merkte man an der Landschaft, die zwar immer noch hügelig blieb, aber spürbar heller und weiter wurde. Auch wenn ich es nicht so mag, aber dieses Mal war es ein angenehmes Laufen auf Asphalt,

allerdings noch anstrengend genug auf einem Weg, der sich „Schluchtensteig“ nennt.

Und dieser Weg führte uns in Achdorf auch an einer Pilgerherberge vorbei,

wie ich sie ebenfalls noch nicht erlebt habe.

Da hat doch tatsächlich jemand seine Garage zur Raststätte umfunktioniert, wo Pilger

 

rasten und snacken können. Es gibt eben doch noch einfühlsame Seelen in diesem Land!

Wir hätten uns auch weiter für den E1 entscheiden können, aber wir blieben auf dem Schluchtensteig, der uns hinter Achdorf wieder hinauf in luftige Höhen trieb.

Aber dieses Stück nach Achdorf hatte es wirklich in sich und holte mal wieder die letzten Reserven aus uns heraus, denn es ging hoch und runter

 

 

 

 

auf erneut halsbrecherisch anmutenden Pfaden und Steigen.

Am Anfang zur Einfädelung in die Wutachschlucht habe ich mich schon über das Warnschild gewundert,

aber jetzt weiß ich: Die hängen nicht zum Spaß da! Dieser Schluchtensteig hat es in sich, egal, ob schwer bepackt oder leichtfüßig vielleicht nur mit einem Tagesrucksack versehen.

Aber wir kamen wohlbehalten in Blumberg an und ließen dummerweise das „Hotel zum Hirschen“ links liegen, um in der Touristikinfo nach einem Zimmer zu fragen. Denn was wir da angeboten bekamen, spottete jeglicher Beschreibung im Gästeführer und wir ärgerten uns bei einem Gemeinschaftsbad und WC überm Hausflur über das links liegengelassene Hotel. Hinzu kam noch, dass sie wegen Bauarbeiten ab acht Uhr des nächsten Tages das Wasser abgestellt bekamen. Froh, nur eine Nacht in diesem altmodisch eingerichteten Zimmer mit erstickendem Flair in angedeuteter Schwarzwaldoptik verbringen zu müssen, gingen wir zeitig schlafen (da es auch an einem Fernsehgerät mangelte) und waren auch am nächsten Morgen froh, schnell wieder wandern zu dürfen.

 

Donnerstag, 27. Juni 2013 (Blumberg – Tengen) ca. 18 – 19 km

So GROß Blumberg auch ist, aber besonders reizvoll ist es nicht, wie wir auch noch am nächsten Morgen feststellen konnten. Deshalb haben wir uns schnell daraus entfernt und folgten weiter dem E1.

Da wir ja schon acht Uhr Frühstück hatten, konnten wir bereits viertel vor neun los, was uns nicht ungelegen kam. Was wir allerdings nicht wussten, war die Tatsache, dass uns der E1 nicht um den „Buchberg“ herumführte, sondern in Trampelpfaden schön und allmählich in Schlangenlinien hinauf. So gelangten wir schweißgebadet gegen zehn Uhr an der Buchberghütte

in 880 Meter Höhe an und waren doch überwältigt von dem Ausblick,

den man von hier oben hatte. Somit hatte sich dieser kleine schweißtreibende „Umweg“ auch gelohnt und wir konnten den nun gemäßigten Abstieg entspannt genießen. Das Wetter war wie immer durchwachsen und wir warteten gespannt auf den nächsten vorhergesagten Schauer.

Irgendwann trafen wir auf den „Neckar-Baar-Jakobusweg“,

dem wir auch ein Stückchen folgen konnten und konnten ebenfalls aus der Ferne einen Blick

 

 

auf die Gleise der „Sauschwänzlebahn“ werfen, die, da es eine Museumsbahn ist, nur an bestimmten Tagen im Jahr verkehrt.

Ja, und da wir auch an diesem Tag nicht vor Schauern verschont geblieben waren, erwischte uns ein heftiger kurz vor Randen, so dass wir dort kurzerhand ein Kaffeepäuschen einlegten und beinahe im Trockenen wieder weiterwandern konnten. Da wir ja für Kaffee und Kuchen immer ein zur schnellen Aufnahme offenes Organ haben, wurden wir auch hellhörig, wie uns die Wirtin das Café in Riedöschingen empfahl, die wohl exzellenten Kuchen hätten, der noch richtig selber gebacken sei. Und kaum, dass wir es so richtig bemerkt hätten, hatten wir irgendwie auch den Schluchtensteig verlassen und wanderten den E1 weiter, der uns auch am „Blauen Stein“ vorbeiführte.

Warum blau, weiß ich nicht, jedenfalls rührt dieser Fels von einem Basalt-Vulkan-Gestein her und schimmert wahrscheinlich deshalb bei besonderem Licht leicht bläulich.

Der Kuchen im Café in Riedöschingen war wirklich zu empfehlen und die Lobpreisungen der Wirtin in Randen darauf nicht gelogen.

So gestärkt ging es dann weiter nach Tengen und man merkte deutlich: Wir waren nicht mehr wirklich im Schwarzwald, auch wenn es trotzdem hügelig

zwischen einer weiten, offenen Landschaft blieb.

 

Irgendwann konnten wir Tengen schon von weitem erkennen

und kamen vorher noch an einer seltsamen Ansammlung trockenen Gehölzes vorbei.

Sind die Druiden hier etwa noch aktiv?, fragten wir uns kopfschüttelnd und wanderten weiter, dabei Tengen immer im Blick behaltend.

 

Tengen ist ein niedliches,

 

 

 

 

kleines Städtchen mit ebensolch niedlichen

Fachwerkhäuschen, mit engen Straßen

 

 

 

und einem imposanten Brunnen.

Tengen war eigentlich mal in zwei Stadtteile getrennt gewesen, die man irgendwann zu einer Gemeinde vereinte. Vom oberen Tor

zeugen leider nur noch ein paar Mauerreste eines Turmes, der allerdings weithin sichtbar ist. Wir kamen uns schon etwas verlassen vor hier, weil so gar nichts los war: keine Touris, kaum Autos, nur ein, zwei Lädchen, dafür jede Menge Natur, die auf ihre Weise für Erholung

und Entspannung sorgte.

Dass hier die Hochzeiten des Schwarzwaldtourismus ebenfalls vorbei waren, erfuhren wir nicht nur von der Dame aus der Touristikinfo, sondern auch von der Wirtin vom „Gasthof zur Frohen Einkehr“. Auch dieser Gasthof hatte seine schönsten Jahre mittlerweile lange hinter sich gelassen und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch diesen nicht mehr geben würde. Schade eigentlich, aber so hat jede Ära ihre Geschichten …

 

Freitag, 28. Juni 2013 (Tengen – Engen) ca. 15 km

Da es heute nicht ganz so viele Kilometer werden würden, gingen wir es ruhig an, frühstückten trotzdem um halb neun und waren tatsächlich die einzigen Gäste am Frühstückstisch. Zu einem ordentlichen Schwarzwaldfrühstück brachte man uns noch die aktuelle Tageszeitung, aus der wir u. a. erfuhren, dass es an der Wetterfront nichts Neues gab, d. h. es blieb durchwachsen. Also starteten wir wieder halb zehn und liefen erst ein Stück den gleichen Weg hinaus,

den wir Tags zuvor hineingelaufen waren. Es war zwar immer noch der E1, aber kurz nach dem „Kleinen Wannenberg“ hieß er dann „Alter Postweg“, der sehr schön zu bewandern war und eine grandiose Weitsicht bot.

Zwischendurch erwischte uns mal wieder ein ordentlicher Schauer, doch zu unserer Rast am „Napoleonseck“ verschonte uns Petrus, so dass wir uns dort in Ruhe unseren Kaffee kochen (den Kocher haben wir zum Glück nicht heim geschickt) und diesen auch ungestört genießen konnten. Es waren ja keine anderen Wandersleut‘ unterwegs, die uns das Bänkchen hätten streitig machen können. Irgendwann jedoch riss allmählich der Himmel auf, so dass wir einen wunderbaren Blick auf Engen genießen konnten.

Bei nun sommerlichen Temperaturen erreichten wir die Touristikinfo gegen 14 Uhr und mussten doch zur Kenntnis nehmen, dass auf Grund eines Iron Maidon-Konzertes in Aach fast alle Zimmer ausgebucht waren. Eine private Vermittlerin hatte keine Zeit zum Herrichten des Zimmers und die Hotels waren alle ausgebucht. Klar, wer hat schon Lust für eine Nacht für zwei Wandersleut‘ das Zimmer zu richten? Jedenfalls fanden wir noch ein Zimmer, wenn auch mit einem halbstündigen Fußmarsch verbunden und begaben uns wenig später durch das Städtchen zu Frau Wiedenbach,

einer Witwe von 93 Jahren, die ihr Haus gern mit anderen Menschen teilt. Die unzähligen Geweihe an den Wänden bildeten die Hinterlassenschaft ihres Mannes, der zu Lebzeiten aktiver Jäger gewesen war.

Wir jedenfalls ließen uns von solch leblosen Trophäen nicht abschrecken, sondern genehmigten uns eine kalte Dusche und liefen dann noch mal

in das Städtchen hinein, um uns beinahe von

 

 

 

 

mittelalterlichem Flair

 

 

 

verzaubern zu lassen.

Vom Park aus kann man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt

 

 

 

Engens werfen,

 

die trotz ihrer überschaubaren Ausmaße einiges

 

 

 

zu bieten hat.

Wenn Engen nur etwas größer geraten wäre, könnte man fast meinen, man wäre in Rothenburg ob der Tauber.

Da wir nicht wussten, wo wir des Abends einkehren sollten, folgten wir dem Rat von Frau Wiedenbach und kehrten in die „Kronenstube“ ein, wo es anständige Portionen zu fairen Preisen gab, die auch noch richtig gut mundeten So ließen wir den Tag zwar ohne Fernseher aber mit einem Gläschen Rotwein auf dem Zimmer geruhsam ausklingen und gingen mal wieder zeitig schlafen.

 

Samstag, 29. Juni 2013 (Engen – Karlsruhe)

Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch bis Singen wandern, aber auf Grund des Wetters (wieder mal Regen, der auch vor Mittag nicht aufhören sollte) wandelten wir unseren Plan um und fuhren mit dem Zug zurück nach Karlsruhe.

Da wir noch genügend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges hatten, wollten wir diese Zeit eigentlich in einem Café überbrücken, aber das Café am Marktplatz hat doch tatsächlich Samstags Ruhetag und das nächste in einer Seitenstraße wegen einer Familienfeierlichkeit an diesem Wochenende geschlossen. Prima, und nun? Also deckten wir uns im Zeitungsladen ein, um auf einer Bank im Bahnhof und später noch im Zug das aktuelle Tages- und Weltgeschehen per Bild und Buchstaben zu verfolgen. Aber auch in Karlsruhe tat es noch ordentlich schauern, so dass wir froh waren, nicht mehr nach Singen gewandert zu sein.

Jedenfalls haben wir die nicht gegangen Etappen vom letzten Jahr ordentlich nachgeholt und freuen uns bereits auf unsere Pilgerreise von Porto nach Santiago im September dieses Jahres.

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